Füchse unterliegen Göppingen : Ende mit Schrecken

Die Handballer der Füchse verlieren trotz hoher Führung 31:32 gegen Göppingen. "Reaktionslos dem Schicksal gegenüber" erlebte Mannager Bob Hanning das Berliner Team in dem Schlüsselspiel.

Hartmut Moheit

Berlin - Sein Gesicht wirkte versteinert. Schließlich sprach Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson von einer bitteren Niederlage, „das ist der erste große Nackenschlag für mich in Berlin“. Nicht allein das 31:32 (12:14) im Bundesliga-Heimspiel gegen Frisch Auf Göppingen sorgte bei ihm für Frustration, sondern vor allem das Zustandekommen in der Schlussphase. 14 Minuten vor dem Abpfiff hatten die 7681 Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle beim 26:21 begonnen, ihre Handballer zu feiern. Anschließend aber staunten sie darüber, wie die Berliner diesen Vorsprung verspielten. „Unfassbar, das durfte nicht passieren“, sagte Füchse-Manager Bob Hanning ungewohnt einsilbig. Er hatte vorher von einem Schlüsselspiel für die Füchse gesprochen. Wenn es das war, stehen die Berliner nunmehr vor schwierigen Wochen in der Handball-Bundesliga. Die Tür zu den oberen Tabellenplätzen bleibt für sie vorerst verschlossen. Am kommenden Sonntag müssen sie beim SC Magdeburg antreten.

Gegen Göppingen mangelte es den Spielern der Füchse nicht an Willen und Kampfgeist, trotzdem ging schon der Start völlig daneben. 1:5 hieß es nach neun Minuten, weil Markus Richwien, Kjetil Strand, Sebastian Schneider und Mark Bult auch beste Chancen nicht nutzten. Mehrfach musste Torwart Silvio Heinevetter ausbügeln, was seine Teamkollegen im Angriff versiebten. Die Füchse wirkten etwas übermotiviert. Göppingens Trainer Velimir Petkovic wollte sogar gesehen haben, dass „die Füchse-Spieler mehrmals ratlos zu ihrem Coach geschaut“ hätten. Sigurdsson widersprach. „Wie waren auf alle Varianten vorbereitet“, sagte er und kritisierte, „dass zuletzt zu viel über mögliche Europacup-Ambitionen der Füchse gesprochen wurde“.

Doch der Zwei-Tore-Rückstand zur Pause hatte seine Spieler motiviert. Schnell holten sie den Rückstand auf und die Berliner Fans kamen plötzlich aus dem Jubeln kaum noch heraus. Spätestens beim 26:21 (46. Minute) machte sich bei Göppingen eine erste Resignation breit. Petkovic sagte: „Was sich danach abspielte, möchte ich nicht oft erleben.“ Denn aus Resignation und Zittern entwickelte sich bei Frisch Auf Göppingen ein ungeahntes Glücksgefühl. Die Füchse, die in Mark Bult (9 Tore/5 Siebenmeter), Konrad Wilczynski (8/3) und Kjetil Strand (7) ihre besten Werfer hatten, verfielen dagegen in Panik und schließlich in tiefe Depression. Wie konnte das passieren?

Göppingen wurde mit Fehlwürfen, technischen Fehlern, plötzlicher Deckungsschwäche und sicherlich auch unglücklichen Schiedsrichterentscheidungen aufgebaut. Sogar ins leere Tor durfte Göppingen treffen, als die Füchse gerade den Torhüter auswechseln wollten. „Da waren wir wie das Kaninchen vor der Schlange, reaktionslos dem Schicksal ergeben“, sagte Hanning in einer Gefühlslage zwischen Wut und Trauer.

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