Sport : Füchse zahlen insolventem Gegner Dormagen die Busfahrt

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Berlin - In einem italienischen Restaurant in Hackenbroich hatten sich die Handballer des DHC Rheinland zuletzt noch frohen Mutes auf die Fortsetzung der Bundesliga-Rückrunde eingestimmt. Dabei überreichten sie dem Gastgeber ein Mannschaftsfoto, das nicht einmal zwei Wochen später nur noch nostalgischen Wert besitzt. Gestern wurde für den Tabellenletzten, der aus dem TSV Dormagen hervorgegangen ist, beim Düsseldorfer Amtsgericht wegen drohender Zahlungsunfähigkeit ein Insolvenzantrag gestellt, der normalerweise das Aus bedeutet.

Die offene Frage ist, ob das Team die Saison irgendwie durchspielen kann. In diesem Fall bestünde wenigstens die Chance, für die kommende Saison mit neuen Geldgebern in der Zweiten Liga weitermachen zu können. Am vergangenen Sonntag war klar geworden, dass eine Finanzlücke in Höhe von 350 000 Euro im 1,6-Millionen-Etat nicht mehr zu schließen ist. Ein Hauptsponsor, der für diese Summe die Namensrechte für die Heimspielstätte in Dormagen erworben hatte, hatte zuvor ebenfalls Insolvenz angemeldet.

„Für uns war das natürlich ein Schock, damit hatten wir nicht gerechnet“, sagt Stefan Güter, Leiter der Geschäftsstelle bei den Füchsen Berlin. Für ihn war es kein Zeichen der Solidarität, eher eine wirtschaftliche Notwendigkeit, dass die Berliner dem heutigen Gegner DHC Rheinland (20.15 Uhr in der Schmeling-Halle) zumindest Transporthilfe anboten. „Wir bezahlen deren Bus-Kosten“, erklärt Güter. Diese Summe sei für die Füchse schließlich das geringere Übel, bei einem Spielausfall wären dem Tabellenzweiten bis zu 100 000 Euro Schaden entstanden. „Alles ist längst angerichtet, wir erwarten etwa 7000 Zuschauer, die Programme sind gedruckt und auch das Catering bestellt“, sagt Güter. Es sei deshalb auch zweitrangig, dass die Füchse die heutige Partie nach der langen WM-Pause auch als Einstimmung auf das Auswärtsspiel am Sonntag beim THW Kiel gut gebrauchen können.

Für die Handball-Bundesliga ist die erneute Pleite eines Vereins auf jeden Fall eine Belastung. HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann hatte bis zuletzt „keine Anzeichen für diese Entwicklung gesehen“, war deshalb „völlig überrascht“. Zuletzt waren 2009 mit der HSG Nordhorn und dem Stralsunder HV zwei der bisher sieben insolventen Vereine zwangsweise aus dem elitären Kreis ausgeschieden. Auch beim DHC Rheinland haben nun bereits Spieler, Trainer und Geschäftsstellen-Mitarbeiter, unter ihnen der ehemalige Füchse-Torhüter Jens Vortmann, zum 15. März Kündigungen erhalten. Da die Wechselfrist in der Bundesliga bereits am 15. Februar beendet ist, werden sich die Leistungsträger sehr schnell nach neuen Arbeitgebern umsehen müssen.

Auch bei den Füchsen hat man sich das Team unter diesem Aspekt noch einmal genauer angesehen. „Wenn überhaupt, dann wäre deren Mittelmann Kentin Mahé, ein 19 Jahre alter Franzose, für uns interessant“, sagt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning. So gesehen wird das heutige Spiel des Teams von Trainer Dagur Sigurdsson nicht nur von dem wirtschaftlichen Aspekt bestimmt, sondern ist zugleich für Mahé ein Bewerbungsauftritt.

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