Sport : Führung gesucht

Alba plädiert für eine Struktur-Änderung der Basketball-Liga

Benedikt Voigt

Erste Hinweise erhielt Marco Baldi vor einigen Monaten. Spieleragenten erzählten dem Vizepräsidenten von Alba Berlin, dass der MitteldeutscheBC finanzielle Schwierigkeiten habe. Vor drei Wochen erfuhr er dann auch in seiner Funktion als Vizepräsident der Basketball-Bundesliga (BBL) offiziell davon. „Da waren wir natürlich hellwach“, berichtet Baldi. Trotzdem ging es ganz schnell, bereits am vergangenen Mittwoch meldete der Mitteldeutsche BC Insolvenz an. „Das ist eine Ohrfeige für die Liga“, sagt Baldi.

Es ist die zweite Insolvenz innerhalb eines Jahres in der Basketball-Bundesliga. Und es droht mit der TSK Würzburg noch eine weitere. „Da könnte noch etwas kommen“, bestätigte Otto Reintjes im Tagesspiegel. Der Bundesliga-Chef macht Managementfehler für die jüngste Insolvenz verantwortlich. Ähnlich sieht es auch Baldi. „In Weißenfels sind existenzielle Fehler gemacht worden.“ Besonders empört ihn die Geschwindigkeit, mit der Insolvenz angemeldet wurde. „Da war von Verantwortungsbewusstsein nichts zu spüren.“ Offenkundig hat der Geschäftsführer Matthias Hund mit Sponsorengeldern geplant, die nicht abgesichert waren. Für die Liga stellt sich die Frage, wie so etwas in Zukunft zu vermeiden ist. Baldi sagt: „Wir können jetzt nicht zur Tagesordnung übergehen.“

Der Basketball-Manager sieht in der Pleite auch eine Chance. „Wir müssen jetzt über grundsätzliche Fragen reden: Wo will die Liga in fünf Jahren sein?“ Eine Frage sei, wer die Liga führt. Im Moment sind das nach der Hagener Insolvenz die 15 Bundesligaklubs. In Otto Reintjes haben sie lediglich einen Beauftragten, der die Liga personifiziert. „Moderator ohne Führungskompetenzen“, nennt Baldi seine Position. Der BBL-Vizepräsident plädiert für ein Modell, in dem eine professionelle Führungsmannschaft mit entsprechenden Kompetenzen ausgestattet ist.

So weit denkt Ligachef Otto Reintjes noch nicht. Er versucht das Lizensierungsverfahren, das sich als unzureichend erwiesen hat, zu verfeinern. Nachprüfungen während einer laufenden Saison seien eine Möglichkeit. Bankbürgschaften, die den Etat absichern, hält Reintjes für kein probates Mittel. „Wir müssen das Lizensierungsverfahren praktikabel halten.“ Eines sei klar: „Einen hundertprozentigen Schutz gegen Insolvenzen gibt es nicht.“

Inzwischen einigten sich die Spieler des Mitteldeutschen BC mit dem Insolvenzverwalter Dieter Kühne und dem Geschäftsführer Matthias Hund, dass das heutige Bundesligaspiel gegen Rheinenergie Köln stattfinden wird. Die Saison soll zu Ende gespielt werden, die Spieler haben sich dafür ausgesprochen. Falls dennoch eine Partie ausfällt, verlöre der Mitteldeutsche BC endgültig die Lizenz und wäre neben dem bereits vom Spielbetrieb zurückgezogenen Team aus Hagen zweiter Absteiger. In diesem Fall würde es in dieser Saison keinen sportlichen Absteiger aus der BBL geben.

Vor der Saison ist die Liga noch von 14 auf 16 Klubs aufgestockt worden. Reintjes hält die Entscheidung auch nach den Insolvenzen für richtig. „Wir haben sechs Zweitligisten, die ihre Lizenzunterlagen eingereicht haben und in unserer Liga spielen wollen“, sagt Reintjes, „das zeigt doch, wie attraktiv die Liga ist.“

Ob der Mitteldeutsche BC in der nächsten Saison noch dazu zählt, ist fraglich. Bisher existieren Pläne einer Neugründung in Leipzig, doch Marco Baldi kann sich einen nahtlosen Übergang nicht vorstellen. „Allein aus hygienischen Grundsätzen“, sagt der BBL-Vizepräsident, „ein Klub kann nicht aus heiterem Himmel Insolvenz anmelden, die Gläubiger ins Leere laufen lassen, und dann einfach weitermachen.“ Baldi jedenfalls, dessen Mannschaft heute in Karlsruhe antritt, schätzt nach der aktuellen Entwicklung das Engagement seines Vereinspräsidenten nur noch höher. „Wir können froh sein, dass wir einen Menschen wie Dieter Hauert haben“, sagt der Basketball-Funktionär, „bei dem spielt Ehrgefühl noch eine wichtige Rolle.“

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