Sport : Führungskräfte gesucht

Die Berliner Eisbären sind in den Play-offs vor allem auf ihre amerikanischen Stürmer angewiesen

Mathias Klappenbach

Berlin. Im vergangenen Jahr waren sie noch die Buhmänner. Diesmal bekundet aber sogar der Play-off-Gegner seinen Respekt vor den nordamerikanischen Stürmern der Berliner Eisbären. „Uns fehlen einfach solche Spieler wie Mark Beaufait, Denis Pederson oder Kelly Fairchild. Ihre individuelle Klasse hat den entscheidenden Unterschied ausgemacht“, sagte Düsseldorfs Trainer Michael Komma nach dem 3:0-Erfolg der Eisbären gegen die DEG am Sonntag.

Eine ähnlich große Wertschätzung hatten die Stürmer auch schon in der Saison zuvor genossen. Allerdings nur, bis die Eisbären im Play-off-Halbfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen die Krefeld Pinguine überraschend ausschieden. Die von Komma gelobten Beaufait und Fairchild sowie David Roberts waren nach der damaligen Hauptrunde noch die drei besten Scorer bei den Berlinern gewesen. Doch als ihre Leistung am meisten gefragt war, gingen die NHL-erfahrenen Profis gegen Krefeld mit unter. Von besonderer Klasse oder gar Führungsqualitäten war in den wichtigen Momenten nichts zu sehen.

„Man kann vorher nicht festlegen, wer die Verantwortung übernehmen soll, wenn es eng wird“, sagt Eisbären-Manager Peter John Lee. „Dafür sind die Play-offs zu kurz und hängen von zu vielen Kleinigkeiten ab. Wir haben 20 Leute, die in diese Rolle schlüpfen können. Lassen wir uns überraschen.“ Bei den drei Siegen gegen Düsseldorf zeigten die im vergangenen Jahr Kritisierten bislang, dass sie diese Führungsaufgabe übernehmen wollen. Zumindest durch Tore. David Roberts hat schon vier Torvorlagen gegeben, Mark Beaufait bereitete einen Treffer vor und erzielte zwei selbst. Und auch Kelly Fairchild, der am Sonntag zusammen mit Roberts und Beaufait eine Sturmreihe bildete, steht in der Statistik bereits als Vorbereiter und zweifacher Torschütze.

Gerade Fairchild wird nachgesagt, in kritischen Situationen lieber abzutauchen als sich dem Gegner in den Weg zu werfen oder gar die Mannschaft wachzurütteln und mitzureißen. In den noch zu erwartenden engen und hart geführten Partien müssen die Stürmer aber auch solche Qualitäten zeigen. Das gilt nicht nur für das vierte Spiel an der Düsseldorfer Brehmstraße (heute, 19.30 Uhr), in dem die Eisbären als erste Mannschaft das Halbfinale erreichen können. „Die ganze Mannschaft hat durch das letzte Jahr viel dazu gelernt. Das gilt auch für die Top-Angreifer“, sagt Manager Lee.

Dass die Eisbären, die heute wieder mit Rich Parent im Tor und ohne Verteidiger Rob Leask (Adduktorenzerrung) spielen, ins Halbfinale einziehen, bezweifelt kaum noch jemand. Die Chance auf den Titel besteht aber nur, wenn auch die Stars im Sturm alles dafür geben. Dann wird nicht nur Michael Komma die Eisbären um die Angreifer noch mehr beneiden, als er es ohnehin schon tut.

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