Sport : Fünf endlose Minuten

Wie der VfL Osnabrück in die Zweite Liga aufstieg

Harald Pistorius

Osnabrück - Es wurde gesungen und gegrölt, getanzt und geschunkelt. Der VfL Osnabrück ist aufgestiegen in die Zweite Fußball–Bundesliga – und eine ganze Region zieht mit. Noch vor drei Wochen, nach einem 2:4 beim FC St. Pauli, war die Mannschaft abgeschrieben worden. Doch Trainer Claus-Dieter Wollitz glaubte an die kleine Chance.

Die Entscheidung war knapp. In den virtuellen Blitztabellen während des letzten Regionalliga-Spieltages war der VfL nur vier Minuten auf einem Aufstiegsplatz – nämlich nach dem 2:1 von Thomas Reichenberger in der 86. Minute. Sieben Minuten zuvor war die Zweite Liga für Osnabrück noch weit entfernt, denn Gegner Ahlen führte 1:0, der VfL kämpfte gegen die Uhr und die eigenen Nerven. Thomas Cichons Ausgleich setzte letzte Kräfte frei. Nach Reichenbergers 2:1 und dem Abpfiff begannen die längsten fünf Minuten der Vereinsgeschichte.

Der Aufstieg der Osnabrücker hing fortan vom Ausgang des Spiels 1. FC Magdeburg gegen FC St. Pauli ab. Es lief noch, als in Osnabrück schon Schluss war. 1:1 stand es, und wenn die Magdeburger noch ein Tor geschossen hätten – in Osnabrück hätten sich Szenen abgespielt wie an dem Tag, als Schalke nur Meister der Herzen wurde. Fans und Spieler des VfL feierten später immer wieder den FC St. Pauli, weil die Hamburger Wort gehalten hatten und ihr letztes Spiel trotz des für sie schon feststehenden Aufstiegs mit vollem Einsatz bestritten hatten. Kaum war der Aufstieg perfekt, da rief Claus-Dieter Wollitz nach Verstärkung. „Wir brauchen vier, fünf, sechs Charaktere dazu.“ Gaetano Manno kommt aus Wuppertal zu Osnabrück, Stürmer Addy-Waku Menga hingegen wird den VfL wohl verlassen.

Enge Aufstiegsentscheidungen ist man in Osnabrück indes gewöhnt. Am 1. Juni 2000 lieferte sich der VfL mit dem 1. FC Union eine 210-Minuten-Schlacht, ehe ein Elfmeterschießen mit 20 Schützen entscheiden musste. Harald Pistorius

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