Fünfkampf : Mit Glück und Medikamenten

WM-Serie, Teil 4: Fünfkämpfer Sebastian Dietz reitet trotz mancher Stürze und einer Pferdehaar-Allergie. Das Glück ist in dieser Disziplin ein entscheidender Faktor.

Dagny Lüdemann
Moderner Fünfkampf
Der Zufall spielt mit. Sebastian Dietz muss bei der Auslosung auf ein gutes Pferd hoffen. -Foto: dpa

Am Donnerstag beginnt in Berlin die Weltmeisterschaft im Modernen Fünfkampf. Sechs Tage lang werden sich die Athleten auf dem Olympiagelände im Schießen, Fechten, Schwimmen, Reiten und Laufen messen. Bis es losgeht, erklärt jeden Tag ein deutscher Fünfkämpfer eine der Disziplinen. Heute: Der Berliner Sebastian Dietz, 33, übers Reiten.



Wenn es beim Reiten mal nicht so gut läuft, nimmt Sebastian Dietz das mit Humor. Beim Worldcup-Finale in Uppsala warf ihn das Pferd wenige Meter vor dem schwedischen König in den Dreck. „So habe ich dem König unfreiwillig die Ehre erwiesen und den Boden vor ihm geküsst“, erzählt der Berliner Fünfkämpfer und lacht.

Den Fünfkämpfern werden die Pferde vor den Wettkämpfen zugelost. So sollen eigentlich Ungerechtigkeiten ausgeglichen werden. Vor dem Start haben die Athleten 20 Minuten Zeit, sich an das Tier zu gewöhnen – und umgekehrt. „Wenn man Glück hat, bekommt man ein Pferd, das mit unterschiedlichen Reitern umgehen kann und wie von selbst über die Hindernisse springt,“ sagt Sebastian Dietz. Doch man kann auch Pech haben – wie der Berliner bei seinem Abwurf in Schweden.

„Das Problem bei meinem Sport ist, dass man gleich fünf verschiedene Disziplinen hinbekommen muss“, weiß Dietz. Oft reiche ein einziges Defizit und man könne die Karriere als Leistungssportler im Modernen Fünfkampf vergessen. Sebastian Dietz hat sein Defizit definitiv im Reiten.

Dass Dietz diese Disziplin nicht mag, hat auch persönliche Gründe. „Ich habe eine Pferdehaar-Allergie und muss jedes Mal vor dem Wettkampf Medikamente dagegen nehmen“, erzählt er. Dennoch hat es der Berliner an die Weltspitze geschafft. Und 2006 wurde er Deutscher Meister.

Eigentlich machen nur Enthusiasten Fünfkampf – so sieht es jedenfalls Sebastian Dietz, der bei einer Bank arbeitet und so seinen Sport selbst finanzieren kann. „Mein Arbeitgeber ist sehr flexibel und stellt mich für Wettkämpfe und Trainingslager frei. So kann ich Beruf und Sport gut vereinbaren“, sagt Dietz. Trotzdem müsse man als Fünfkämpfer immer einen schwierigen Spagat zwischen Sport und Beruf hinbekommen – das sei in anderen Sportarten, zum Beispiel im Fußball, ganz anders. „Als Fünfkämpfer zahlt man in Deutschland eher drauf“, sagt er. Um sein BWL-Studium mit dem Training vereinbaren zu können, hat der 33-Jährige bis zur Diplomarbeit bei seinen Eltern gewohnt. „Anders hätte ich das nicht finanzieren und organisieren können“, sagt er. Trotz allem macht ihm der Sport auch nach 20 Jahren noch Spaß. „Gerade wegen der Hürden sind Fünfkämpfer besondere Sportler, denn sie tun es wirklich aus Überzeugung.“

Bei der Weltmeisterschaft in Berlin setzt Dietz auf seine Stärke: das Schießen. „Weil ich das am besten kann, ist der Druck im Wettkampf aber besonders groß.“ Bis Sonntag hat er sich im Trainingslager in Polen auf die WM vorbereitet. Für Olympia muss er sich noch qualifizieren. Vielleicht klappt es ja diesmal mit einem gnädigen Pferd.

Morgen: Laufen

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