Fuentes-Prozess : Der Fußball und das Doping

Im Prozess gegen Eufemiano Fuentes rückt der Fußball in den Fokus – der spanische Erstligist Real Sociedad San Sebastian soll über Jahre mit dem Dopingarzt kooperiert haben.

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Unbequeme Fragen. Spaniens Liga-Präsident Astiazarán soll als Klubchef in San Sebastian Doping gebilligt haben.
Unbequeme Fragen. Spaniens Liga-Präsident Astiazarán soll als Klubchef in San Sebastian Doping gebilligt haben.Foto: picture alliance / dpa

Urcu, Huerta, Cowboy oder Luigi – für welche prominenten Sportler die Kürzel in seinen Unterlagen stehen, konnten die Staatsanwälte im Prozess gegen den Doping-Arzt Eufemiano Fuentes bislang nicht klären. Ein Geheimnis aber scheint gelüftet: Die Enthüllung, dass „RSOC“ für den spanischen FußballErstligisten Real Sociedad San Sebastian stehen soll, hat dem seit zehn Tagen laufenden Prozess eine neue Brisanz verliehen. Demnach soll der baskische Verein von 2002 bis 2008 verbotene Substanzen und Wachstumshormone von Fuentes bezogen haben. 2003 wurde Real Sociedad knapp hinter Real Madrid Vizemeister der spanischen Liga und spielte in der folgenden Saison in der Champions League.

Die spanische Anti-Doping-Agentur (AEA) hat inzwischen eine Untersuchung gegen den Klub angekündigt. Nach vorliegenden Informationen soll der Verein in diesen Jahren rund 327 000 Euro für die Dopingmittel bezahlt haben – aus schwarzen Kassen des Vereins, wie der frühere Klub-Präsident Inaki Badiola bestätigte. Er habe bei seiner Amtsübernahme 2008 die illegale Praxis gestoppt und die Vereinsmediziner angezeigt, sagt Badiola. Seine schon damals öffentlich vorgetragenen Beschuldigungen waren aber 2008 in Spanien untergegangen, Ermittlungen hat es nie gegeben. Die von ihm vorgelegten Dokumente korrespondieren sehr exakt mit den Eintragungen des Doping-Arztes Fuentes. Der hatte im Prozess vor einigen Tagen noch ahnungslos getan und gewitzelt, „RSOC“ könnte für einen guten Wein stehen. Am sechsten Prozesstag im Juzgado de lo Penal wollte sich der Mediziner dazu nun nicht mehr äußern.

Die Enthüllung elektrisiert Spanien, weil sie den laxen Umgang mit dem Thema Doping unterstreicht und zeigt, dass nicht nur der Radsport ein Doping-Problem hat. Fuentes hatte im Prozess erstmals offiziell bestätigt, dass auch Leichtathleten, Boxer, Tennisspieler und Fußballer zu seinen Kunden zählten – ohne Namen zu nennen. Besonderes Gewicht bekommt nun aber eine frühere Äußerung: Wenn er reden würde, wäre Spanien seinen WM-Titel 2010 los, hatte Fuentes vor einem Jahr geraunt.

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Spekuliert wird auch, was in Fuentes Unterlagen die Abkürzung „Milan“ bedeutet, unter der die Lieferung verbotener Anabolika und Hormonmittel vermerkt ist. Verbirgt sich dahinter der AC Mailand, wie spanische Zeitungen vermuten? Der italienische Klub dementierte am Mittwoch Kontakte zu Fuentes. Bekannt ist aber, dass Fuentes viele Kunden in Italien hatte, darunter den 2004 an einer Überdosis Kokain gestorbenen Radsportler Marco Pantani.

Massiv unter Erklärungszwang kommt durch die Enthüllung vor allem José Luis Astiazarán, von 2001 bis 2005 Klubchef von Real Sociedad. Sein Nachfolger Inaki Badiola beschuldigt ihn, von den illegalen Praktiken gewusst und sie gebilligt zu haben. In den Unterlagen des Doping-Arztes über Zahlungen taucht wiederholt die bisher nicht zuzuordnende Abkürzung „Asti“ auf. Astiazarán, derzeit als Präsident der höchste Repräsentant der spanischen Profi-Fußballliga, hat die Vorwürfe umgehend zurückgewiesen. Er habe niemals von illegalen Praktiken gewusst und immer mit den Anti-Doping-Behörden zusammengearbeitet. Einen Rücktritt lehnte er ab. Unterstützung gab es dafür umgehend vom Präsidenten des spanischen Fußballverbands, Angel Maria Villar: „Gott sei Dank gibt es bei uns kein Doping“, dazu seien die Kontrollen zu zahlreich. Beim Thema Doping „ziehe ich es vor, arglos zu sein und zu denken, dass es nicht existiert“, assistierte Spaniens Nationaltrainer Vicente del Bosque. Er jedenfalls habe in seiner Karriere nie Verdächtiges beobachtet. Gerd Nowakowski

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