Sport : Für 1999/2000 braucht die Hockey-Liga Superstars

Steve Week

In der Millenniums-Saison muss die NHL (National Hockey League) ohne Hauptdarsteller Wayne Gretzky auf Kundenfang gehen. Wenn sich an diesem Wochenende der Vorhang zur neuen Spielzeit öffnet, beginnt für die beste Eishockey-Liga der Welt der große Härtetest. Neue Superstars braucht das Land für die Saison 1999/2000. "Gretzky hat die Liga quasi allein 20 Jahre lang auf seinem Rücken getragen", meint Routinier Mark Messier, "nun müssen die jungen Spieler beweisen, dass sie von ihm gelernt haben."

In die Fußstapfen von "The Great One" wird auf Anhieb niemand treten können. Aber Könner wie Jaromir Jagr (Pittsburgh Penguins), Eric Lindros (Philadelphia Flyers), Paul Kariya und Teemu Selane (beide Mighty Ducks) sowie Peter Forsberg (Colorado Avalanche) werden beste Chancen eingeräumt, Hauptrollen im neuen NHL-Eistheater zu spielen. Im Rampenlicht dürfte Dominik Hasek stehen, der auf Abschiedstour geht. Der Weltklassetorhüter der Buffalo Sabres kündigte an, dass er nach 19 Jahren im Profi-Eishockey (neun davon in der NHL) die Schlittschuhe an den Nagel hängen will. Doch bevor Hasek sich verabschiedet, will er sich seinen Traum erfüllen. "Ich fühle, dass ich genug vom Eishockey habe und mein Leben ändern muss", sagte er, "doch bevor ich abtrete, will ich den Stanley Cup in den Händen halten."

Selten zuvor war das Titelrennen so offen wie in dieser Saison, vor der sich das Spieler- und Trainerkarussell im Höchsttempo drehte. Die New York Rangers, die trotz eines Wayne Gretzky zweimal in Folge die Playoffs verpassten, investierten die Rekordsumme von 67 Millionen Dollar in sechs neue Spieler - darunter Torjäger Theo Fleury. Daneben zählen auch die Detroit Red Wings, Dallas Stars, Philadelphia Flyers und Pittsburgh Penguins zu den Titelfavoriten.

Die deutschen "Fremdenlegionäre" dürften mit ihren Teams zumindest die Play-offs erreichen. Angreifer Marco Sturm (San Jose Sharks) und Olaf Kölzig (Washington Capitals) sind bereits eine feste Größe in ihrem Team, während Stürmer Jochen Hecht (St. Louis Blues) nach fünf Einsätzen in den vergangenen Play-offs und guten Kritiken kurz vor dem Durchbruch steht. "Nur wenige Spieler aus Deutschland haben es hier geschafft", meinte Hecht, "es war immer ein Traum von mir, in der besten Liga der Welt zu spielen. Dieses Gefühl ist einmalig." Zum Albtraum entwickelt sich die bisher glanzvolle Karriere des Uwe Krupp. Nachdem der verletzte deutsche Star-Verteidiger im Sommer von den Detroit Red Wings suspendiert wurde, weil er angeblich gewünschte ärztliche Unterlagen nicht eingereicht hatte, droht ihm nicht nur juristischer Ärger: Ein Bandscheibenvorfall könnte das Karriereende für ihn bedeuten. Auf einen Neuanfang in der NHL hofft dagegen Stefan Ustorf, der in der Saison 1995/96 für die Washington Capitals 48 Saisonspiele bestritt (sieben Tore, zehn Vorlagen) und vor einer großen Zukunft stand. Doch danach landete der Allgäuer, der ein Gastspiel bei den Preussen gab, in der unterklassigen International Hockey League (IHL), wo er zuletzt bei den Las Vegas Thunder und Detroit Vipers spielte. In den vergangenen Wochen nahm der 25-jährige Stürmer im Trainingscamp der Capitals einen letzten Anlauf, um sich einen Stammplatz zu erkämpfen.

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