Sport : Für den SCC hat der Erfolg entscheidende Bedeutung

Frank Bachner

Soll er erklären, dass die Annahme stabil geworden ist? Oder dass die Feldabwehr gut ist? Soll er das den Sponsoren erklären? Natürlich nicht. Das wollen die Sponsoren nicht hören. "Die", sagt Kaweh Niroomand, "wollen hören, dass wir einen Titel gewinnen." Pokal, Meisterschale, egal was, Hauptsache ein Titel. Der Manager des Volleyball-Bundesligisten SCC will ihn ja auch, sehr sogar. Ein Titelgewinn ist das Saisonziel. Beim SCC laufen am Ende der Saison die Sponsoren-Verträge aus, nichts ungewöhnliches, weil die meisten sowieso nur auf ein Jahr abgeschlossen wurden. Aber Niroomand möchte sie verlängern, und dazu braucht er etwas zum Vorzeigen. Noch gibt es nur Gespräche, "und in denen gab es Signale, dass wir nicht mit leeren Händen dastehen werden". Nur sind sie ohne Erfolge auch nicht richtig voll.

Am Sonnabend spielt der SCC in Dessau im Pokal-Halbfinale, gegen den Moerser SC. Ein Sieg ist eigentlich Pflicht. Und am Sonntag, im Finale, nun ja, eigentlich auch. Dann wäre er da, der Titel. Und dann stünde der SCC im Europapokal.

Europapokal. Niroomand redet darüber wie über ein kleines Juwel. Der SCC hat auch internationale Sponsoren, die wollen ihr Logo nicht bloß zwischen Friedrichshafen und Berlin verbreitet sehen.

Aber in Dessau gehts um viel mehr als bloß um Sponsorengelder. Es geht um eine Idee, es geht um ein Konzept. Es geht um eine Art Vision sogar. Um den Gedanken, dass man mit Leistungskonzentration das deutsche Volleyball nach oben führen kann. Dass man die Nationalmannschaft aus dem Tal der Tränen rausholt, Fernsehstationen anlockt, Zuschauer in die Halle holt und natürlich Geldgeber aktiviert. Der SCC gilt schließlich als eine Art Kern der Nationalmannschaft. Das Team besteht mit einer Ausnahme aus National- beziehungsweise Juniorennationalspielern, und der deutsche Verband betrachtet das Team als ständige Trainingseinheit des (nicht vollständigen) Nationalteams. "Beim Deutschen Verband schauen sie sehr genau auf uns", sagt Niroomand. Nicht auszudenken, dass der SCC nicht mal ins Pokalfinale kommt. Gescheitert am Moerser SC, dem Tabellenachten, der gegen den Abstieg kämpft. Außerdem fehlt der Titelverteidiger, der VfB Friedrichshafen. Optimale Voraussetzungen also für den SCC. Auf dem Papier jedenfalls. "Wenn wir mit dieser Mannschaft nicht einmal ins Finale kommen oder keinen Titel gewinnen", sagt Niroomand düster, "dann sind wir mit unserem Konzept gescheitert." Dann fand die Leistungskonzentration am falschen Platz statt. Dann ist vielleicht das ganze Konzept Leistungskonzentration, das zum Beispiel in Holland seit Jahren erfolgreich praktiziert wird, in Deutschland gescheitert. 250 000 Mark hat der SCC von einem Sponsor erhalten. Um dieses Konzept zu unterstützen. Spielergehälter werden zum Beispiel davon bezahlt. Wenn so ein Team in Dessau scheitert, dann kann Niroomand die Ohren anlegen.

Er hat ohnehin schon ein flaues Gefühl, jetzt, nach den Niederlagen gegen Fellbach und Düren. "Für uns ist derzeit jeder Gegner ein Problem." Der Manager vergräbt sich zurzeit in seiner Arbeit. Das lenkt ab, sagt er, das braucht er gerade. "Die Schlappen gehen nicht spurlos an einem vorbei. Die, das muss ich sagen, haben mich schon getroffen."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben