Sport : Für die Ehre

Radsprinter Wolff wird in Los Angeles Weltmeister und hofft nun auf das große Geld in Japan

Hartmut Moheit

Berlin - „Das Keirin ist etwas abenteuerlich, der Mannschafts-Wettbewerb sagt etwas über die Zahl an Klassefahrern in einem Land aus, aber nur der klassische Sprint ist für mich die wahre Königsdisziplin.“ Diese Geschichte erzählt René Wolff immer dann, wenn er nach der Wertigkeit der drei Sprint-Disziplinen im Bahnradsport gefragt wird. Nur wer sich im Zweikampf bei einem großen Wettkampf durchsetzt, ist aus seiner Sicht wirklich ein Großer. 18 Jahre hat es gedauert, bis der Erfurter zu diesem erlauchten Kreis aufschließen konnte. In der Nacht zum Montag nach mitteleuropäischer Sommerzeit erfüllte sich der am 4. April 27 Jahre alt werdenden Thüringer in Los Angeles seinen Traum, „am schönsten Tag meines Sportlerlebens“.

Gegen den Franzosen Mickael Bourgain gewann Wolff beide Finalläufe; den ersten aus der zweiten Position recht knapp und den zweiten sicher von vorne. „1987 habe ich mit dem Radsport begonnen. Und von Anfang an war mein größtes Ziel, Sprint-Weltmeister zu werden. Nur Gold bei Olympia könnte das toppen“, erzählte der für einen Radsprinter eher schmächtige Wolff im Hochgefühl des Glücks. Noch bevor ihm das Regenbogentrikot des Weltmeisters übergestreift wurde, konnten seine Fans plötzlich einen ganz anderen René Wolff erleben. Sonst eher reserviert, wortkarg und gestenarm auftretend, eher seinem Studium der Literatur und Philosophie entsprechend, zeigte er sich plötzlich mit breiter Brust, redselig und jubelnd. „So habe ich ihn noch nie gesehen“, bestätigt auch der einstige Klassesprinter Eyk Pokorny diesen Eindruck als TV-Komoderator. Kein Vergleich also zu der verhaltenen Freude nach der WM-Bronzemedaille zuvor im Teamsprint mit seinem Klubkameraden Matthias John und dem Schweriner Stefan Nimke.

Aber auch die zweite Goldmedaille bei diesen Welttitelkämpfen, nachdem bereits Robert Bartko die Einzelverfolgung über 400 Meter gewonnen hatte, wird den Nachfolger des mehrmaligen Champions Jens Fiedler nicht vom Studium abhalten. Gemeinsam mit Fiedler aus Chemnitz und Nimke hatte Wolff bei Olympia in Athen die Goldmedaille im Mannschaftssprint gewonnen und sich dennoch bereits mit Rücktrittsgedanken getragen. Er wollte sich ganz auf das Studium konzentrieren. Doch das Sprint- Team beim RSC Turbine Erfurt ermöglichte ihm, Sport und Studium bis Olympia 2008 miteinander verbinden zu können. „Damit hat sich das Thema erledigt. Das Fernziel heißt Peking. Da will ich Sprint-Olympiasieger werden“, äußerte sich Wolff nunmehr zu seinen weiteren Zielen.

Ab der nächsten Woche wird er allerdings erst mal an der finanziell lukrativen zweimonatigen Tour durch Japan teilnehmen. Dort kann der 20. deutsche Sprintweltmeister seit 1893 sein Jahreseinkommen locker verdoppeln – im Keirin. Denn nur darin ist das große Geld zu machen, der Sprint ist für die Ehre.

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