Sport : Für die Hälfte

Boxer Beyer bekommt in Deutschland weniger Geld

Hartmut Scherzer[Bayreuth]

Wiegt der Heimvorteil im Ring den Verlust von mehreren hunderttausend Dollar auf dem Konto auf? Diese Frage müsste sich eigentlich Markus Beyer in diesen Tagen stellen. Während sich der einzige aktuelle deutsche Boxweltmeister auf die freiwillige Titelverteidigung gegen den Japaner Yoshinori Nishizawa am Samstag in Bayreuth (22.25 Uhr, live in der ARD) vorbereitete, ersteigerte sein Manager Wilfried Sauerland in Las Vegas bereits den anschließend anstehenden Pflichtkampf. Für 2,149 Millionen Dollar erhielt er den Zuschlag. Die Revanche des 33-jährigen Beyer um den WM-Titel im Supermittelgewicht des World Boxing Council (WBC) gegen den offiziellen Herausforderer Danny Green aus Australien wird im Frühjahr in Deutschland stattfinden.

Dabei war sich die Delegation von Danny Green sicher, den WM-Kampf ins australische Perth zu holen. Abgeordnete des Parlaments, Vertreter von Banken und das australische Fernsehen hatten Boxer, Manager und Trainer zur Vergabe des Kampfes nach Las Vegas begleitet. In der Penthouse Lounge im 62. Stock des Mandalay Bay Hotels versammelten sich die beiden Parteien zur Öffnung der versiegelten Umschläge mit den Angeboten. WBC-Präsident Jose Sulaiman, dessen Generalsekretär und ein Anwalt erledigten die Prozedur.

Durch Münzwurf wurde entschieden, Sauerlands Kuvert zuerst zu öffnen – und einigen Australiern entfuhren vor Entsetzen nicht druckreife Ausdrücke. Der 64-jährige Sauerland übertraf „aus Instinkt und dem Gefühl heraus, aber auch aus Erfahrung in der Vergangenheit“ die von den Australiern gebotenen 2,111 Millionen Dollar gerade einmal um 38 000 Dollar.

Mit der Begründung, Green sei Interimsweltmeister, legte der WBC zunächst willkürlich eine Aufteilung des Angebots im Verhältnis 60:40 für Champion und Herausforderer fest. Üblich sind 75:25. Gegen diesen Regelverstoß hat Sauerland beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne Beschwerde eingelegt. Unabhängig vom Urteil schmälert Sauerlands Sieg beim Vergabepoker die Kampfbörse von Markus Beyer Börse aber ganz erheblich. Beyer stünden 1,289 Millionen Dollar (bei 60 Prozent) beziehungsweise 1,611 Millionen Dollar (bei 75 Prozent) zu. Bei einem Heimkampf aber treten besondere Vertragsabsprachen zwischen Sauerland und Beyer in Kraft. „Markus verzichtet auf die Hälfte“, sagt der Manager. Falls die Börse 75 zu 25 aufgeteilt wird, würde Beyer auf 800 000 Dollar verzichten. In Perth hätte der australische Veranstalter Beyer eine Börse von 1,583 Millionen Dollar auszahlen müssen.

Dafür kann er im eigenen Land kämpfen. Das kann im Boxen entscheidend sein, obwohl Beyer den ersten seiner drei Titel im Ausland gewann, in England gegen Richie Woodhall. Beim ersten Kampf gegen Danny Green stand der Rechtsausleger vor 16 Monaten auf dem Nürburgring nach zwei Niederschlägen vor dem K.o. Wegen eines Kopfstoßes wurde der überlegene Australier dann in der fünften Runde disqualifiziert.

Beyers heutiger Gegner, Yoshinori Nishizawa ist zwar ein 38-jähriger Veteran, aber immer noch aktueller Asienmeister. Und wenn Markus Beyer gegen den Japaner verlieren sollte, fände der Kampf gegen Danny Green gar nicht statt. Der Sachse hätte dann auch die andere Hälfte seiner Kampfbörse verspielt.

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