Sport : Für Herzattacken sind zehn Ärzte da

Harald Irnberger

Der FC Barcelona hat die Zwischenrunde der Champions League bereits erreicht, für Hertha BSC hat die Reise zum Spiel nach Katalanien vorranging touristischen Charakter. Das trifft sich gut, denn in Barcelona gibt es für das Berliner Management einiges zu sehen. Vor allem das Stadion: Das Camp Nou ist mit 110 000 Zuschauerplätzen das größte Fußballstadion Europas. Das baufällige Berliner Olympiastadion folgt in dieser Rangliste erst auf Platz zehn. Die Barca-Arena ist dazu eine der modernsten und sichersten der Welt, und sie bildet das Zentrum eines weltweit einmaligen Ensembles von Sportanlagen. Dazu zählen je eine große Kunsteis- und eine Ballspielhalle, in denen von den Eishockey- bis zu den Basketballspielern die vielfältigen anderen Sektionen des FC Barcelona tätig sind. Neben dem großen gibt es noch ein Mini-Stadion für 16 000 Zuschauer, in dem die Nachwuchsmannschaften kicken. Dazu kommen Trainingsanlagen, ein Internat für auswärtige Nachwuchskräfte, ein Museum und eine Stadion-Kapelle, in der die Spieler vor der Barca-eigenen schwarzen Madonna "La Moreneta" vor dem Anpfiff um reichen Torsegen beten können.

Entsprechend groß ist der Aufwand, der für einen geregelten Betrieb sorgt. 314 Tore führen in das Stadioninnere. An die 900 Leute sind zur Betreuung der Stadion-Besucher nötig: 60 sitzen an den Kassen, 500 versehen ihren Dienst an den Eingängen. Das Los bestimmt, welche Portiers die erste und welche die zweite Halbzeit sehen dürfen. Ihre Kollegen an den Innentoren lösen einander während eines Spiels alle 15 Minuten ab, damit alle zumindest einen Teil des Spiels verfolgen können. Das weitere Personal verteilt sich auf den Stadion-Kindergarten, wo Stadionbesucher ihren Nachwuchs "parken" können, auf die 85 Getränke- und Imbissstände, sowie die 80 Bedürfnisanstalten. Zehn Ärzte versehen gewöhnlich ihren Dienst in den sieben Sanitätsstationen; mehrheitlich Spezialisten für Herzattacken.

Das unter der Haupttribüne installierte Museum, in dem nicht nur die Trophäen und Reliquien des Klubs gezeigt werden, sondern auch Originalkunstwerke von Miro oder Dali, bleibt allerdings an Spieltagen wegen des zu großen Andrangs geschlossen.

Das Camp Nou scheint somit der Ort zu sein, den ein perfekt funktionierender Sport-Konzern zur glanzvollen Selbstdarstellung geschaffen hat. Doch das stimmt nicht ganz. Der FC Barcelona ist im Gegensatz zu den meisten großen Fußballklubs Spaniens keine Aktiengesellschaft, sondern immer noch ein Verein. Von der Börse wollen sie bei Barca nichts wissen.

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