Sport : „Für mich ist gerade ein Lebenstraum geplatzt“

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Herr Pfister, Sie sollen in der Nacht aus dem WM-Quartier von Togo abgereist sein. Wo sind Sie?

Das sage ich nicht, nur so viel: Das war’s für mich. Ich kehre nicht zurück und lege die Arbeit als Nationaltrainer nieder. Für mich ist gerade ein Lebenstraum geplatzt. Ich bin bei der Fußball-WM definitiv nicht dabei. Ich lass mich nicht mehr verarschen.

Was ist Freitagnacht passiert?

Da hat sich die Verbandsspitze aus Togo endlich sehen lassen im WM-Quartier. Da habe ich die Fakten auf den Tisch gelegt. Ich kann meinen Job nicht professionell erledigen, wenn der Verband nicht einmal im Ansatz professionell arbeitet.

Erzählen Sie.

Es geht um die Prämien für die Qualifikation zur Fußball-WM. Wir sind seit 10. Mai im Trainingslager für die WM, die Spieler sollten ihren Lohn bekommen, doch das haben sie immer noch nicht. Dabei hat die WM schon begonnen. Die Stimmung im Team ist schlecht, sehr schlecht.

Es soll um 50 000 Euro Prämie gehen…

… zu Zahlen äußere ich mich nicht. Die Folge aus diesem Streit war, dass meine Spieler nicht mehr trainiert haben. Verstehen Sie das: Die Spieler sind sauer, nicht motiviert, drei Tage lang haben wir nicht trainiert, sie streiken – und wir sollen eine erfolgreiche WM spielen? Ich bitte Sie. Da konnte ich nur den Schlussstrich ziehen.

Haben Sie denn Ihr Gehalt bekommen?

Ja, immer. Aber um mich geht es ja nicht. Ich mache den Spielern keinen Vorwurf, ich habe vollstes Verständnis. Sie wurden über Wochen hingehalten. Wir hatten neulich ein Fußballspiel in Wangen, wo wir ja während der WM wohnen. Da waren so viele liebevolle Menschen, die uns in Deutschland so nett empfangen haben. Da haben wir uns noch einmal zusammengerauft und gesagt: Kommt, wir spielen für die Menschen da draußen. Aber jetzt ist Schluss.

Glauben Sie, dass auch Spieler von Togo abreisen?

Das weiß ich nicht. Ich will gar nichts mehr sagen. Kein Kommentar. Auf Wiederhören.

Das Gespräch führte André Görke.

Otto Pfister , 68, hatte die Nationalmannschaft Togos erst Ende Februar übernommen, jetzt ist er zurückgetreten. Pfister trainierte bereits neun Nationalmannschaften.

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