Sport : Für Nostalgiker

Stefanie Graf spielt ein letztes Mal in Berlin Tennis

Benedikt Voigt

Berlin - Es ist an der Zeit, drei Buchstaben zurückzugeben: ein A, ein N und ein E. Sie gehören Stefanie Graf, der man diese Buchstaben vor vielen Jahren abgenommen hat, als sie im Alter von 13 Jahren in der deutschen Öffentlichkeit als Tennisspielerin bekannt wurde. „Steffi“ ist ein Name für ein junges Mädchen, das mit ihrer knallharten Vorhand Gegnerinnen das Fürchten lehrt. Aber nicht für eine 35-Jährige, die zwei Kinder hat und in Las Vegas wohnt. Hans-Jürgen Pohmann sagt: „Sie wollte immer Stefanie genannt werden.“

Der Fernsehreporter kennt Stefanie Graf, seit sie zehn Jahre alt ist. Privat sagte er stets „Stefanie“, und das hat ihm einmal von seinem Sender einen Rüffel eingebracht, weil alle Welt „Steffi“ sage und er dies in seinen Live-Reportagen bitteschön auch tun möge. Doch manches wird nicht besser, weil alle Welt es tut. Es wäre schön, wenn man sich dieses Stefanie wieder angewöhnen könnte, vielleicht schon wenn sie heute in der Max-Schmeling–Halle (13.30 Uhr, live im DSF) gegen Gabriela Sabatini einen Schaukampf bestreitet. So würde sich in Berlin ein Kreis schließen: 1981 kam ein junges Mädchen in diese Stadt, um mit dem damaligen Verbandstrainer Hans-Jürgen Pohmann zu trainieren, den sie zuvor auf Fuerteventura kennengelernt hatte. Sie hieß Stefanie Graf.

Ihre unglaublich erfolgreiche Karriere, in der sie 377 Wochen lang die Nummer eins der Welt war, hat sie 1999 beendet. Nach Berlin kehrt sie zurück, um heute (10 Uhr) den Centre Court auf der Tennis-Anlage an der Hundekehle in „Steffi-Graf-Stadion“ umzubenennen. „Zuerst wollte sie das nicht“, sagte Eberhard Wensky, „sie sagte, das macht man doch nur bei Toten.“ Doch das Beispiel der Rod-Laver-Arena in Melbourne half dem Turnierdirektor der German Open, sie zu überzeugen. Seit 2000 versuchte Wensky einen Termin für die Ehrung zu finden, die Geburt ihrer Kinder und ein Muskelfaserriss verzögerten jedoch den Zeitpunkt. Nun wird der Schaukampf wegen der unsicheren Wetterlage in der Max-Schmeling-Halle ausgetragen (Karten an den Vorverkaufskassen). Nur kurz wird sie dort geehrt, wo sie neunmal gewann. „Eine verschenkte Gelegenheit“ findet Pohmann, „dieses Match gehört auf den Platz, der nach ihr benannt ist.“

Doch es musste nun offenbar schnell gehen. Stefanie Graf spielt nicht mehr öffentlich Tennis, sogar ihrem Ehemann Andre Agassi ist es nicht gelungen, sie zu einem öffentlichen Doppel zu bewegen. Das heutige Match gegen ihre langjährige Weggefährtin dürfte tatsächlich ihr letztes sein. Hinzu kommt, dass das Berliner Turnier, dem sie zum Aufstieg im internationalen Turnierkalender verholfen hat, keine Zukunft besitzt. Für 6,7 Millionen Euro sind die German Open nach Katar verkauft worden, lediglich im nächsten Jahr werden sie noch wie gewohnt stattfinden. Heute also ist ein Tag für Nostalgiker, für Menschen, die in Fotoalben blättern und sagen: Weißt du noch?

Das Leben ist längst weitergeschritten, die Tennisspielerin Steffi Graf gibt es nicht mehr. Pohmann, der aufgrund von „grundsätzlichen Differenzen“ keinen Kontakt mehr zu ihr hat, wunderte sich, als er sie das letzte Mal sah. Früher habe sie immer wie ein gehetztes Reh gewirkt. „Plötzlich ist sie die Ruhe selbst“, sagt er, „Herzlichen Glückwunsch“.

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