Sport : Fulminanter Endspurt

Alba besiegt Chalon nach großer Aufholjagd 74:71 – Center Idbihi verletzt sich.

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Aus dem Weg geräumt. Energisch setzt sich Albas Neuzugang Randle (r.) gegen Chalons Tchicamboud durch.Foto: AFP
Aus dem Weg geräumt. Energisch setzt sich Albas Neuzugang Randle (r.) gegen Chalons Tchicamboud durch.Foto: AFPFoto: AFP

Berlin - Eineinhalb Minuten vor Schluss waren Krach und Anspannung kaum noch zu ertragen. Alba Berlins Basketballer hatten mit einem fulminanten Endspurt gegen Elan Chalon zum 68:68 ausgeglichen, die Arena am Ostbahnhof brodelte bei 98 Dezibel, ein packendes Spiel raste seinem Höhepunkt entgegen. Die Berliner hatten gekämpft, die Berliner hatten gelitten, sie hatten einen ihrer wichtigsten Spieler verloren. Und am Ende waren es doch sie, die triumphierten: Die Mannschaft von Trainer Sasa Obradoviv besiegte den Französischen Meister im zweiten Spiel der Euroleague-Vorrunde mit 74:71 (36:40) und wurde von ihren Fans frenetisch gefeiert.

Die Partie begann mit hohem Tempo und guten Offensivaktionen auf beiden Seiten. Der Spielfluss schwand aber relativ schnell, was man allerdings kaum den Spielern ankreiden konnte. Das Schiedsrichter-Trio pfiff sehr unbeständig und leistete sich einige zweifelhafte Entscheidungen, die besonders den Berlinern zu schaffen machten. In der Folge wurden die Unparteiischen von den 8146 Zuschauern mit leidenschaftlichen Buh-Rufen und Pfiffen bedacht, Alba verlor den Faden. Besonders der nervös wirkende Neuzugang Brian Randle in seinem ersten Heimspiel für Alba sowie Albert Miralles vergaben leichte Würfe. Das erregte Publikum hatte derweil den französischen Center Michel Jean-Baptiste Adolphe besonders ins Herz geschlossen, der von Statur, Mimik, Haarpracht und Sozialverhalten einen formidablen James-Bond-Bösewicht abgeben würde. Der kantige 2,05-Meter-Mann Adolphe war dann auch an der Aktion beteiligt, die die Berliner wirklich schockte. Kurz vor der ersten Viertelpause ging Alba-Center Yassin Idbihi im Gedränge unter dem Korb zu Boden und zeigte sofort mit schmerzverzerrtem Gesicht auf sein linkes Knie. Idbihi verschwand in der Kabine, Sportdirektor Mithat Demirel und Marco Baldi folgten mit besorgter Miene. Demirel und Baldi kehrten zurück, Idbihi nicht. Der 29-Jährige wurde mit Verdacht auf eine Innenbandverletzung ins Krankenhaus gebracht, Alba ging mit einem 36:40-Rückstand in die Halbzeitpause.

In der zweiten Hälfte änderte sich zunächst wenig. Die Berliner kämpften beherzt, agierten im Angriff aber oft unglücklich. Randle vergab noch einen Korbleger, Nihad Djedovic flutschte der Ball beim Dribbling ins Aus, Trainer Sasa Obradovic schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Kurz darauf nahm sich Albas zweiter Center selbst aus dem Spiel: Albert Miralles beschwerte sich über sein viertes Foul so vehement, dass er mit einem Technischen Foul bestraft und damit zum Zusehen verdammt wurde. Chalon zog im Schlussviertel bis auf 13 Punkte davon – die dezimierten Berliner aber wehrten sich nach Kräften. Angeführt von Deon Thompson (24 Punkte) und Heiko Schaffartziks Dreipunktewürfen und angefeuert von den doppelt und dreifach angeheizten Zuschauern kämpfte sich Alba zurück. Am Ende hatten die Berliner das größere Herz und die besseren Nerven, die über zwei Stunden aufgebaute Anspannung entlud sich in Jubel.

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