Sport : Fummelkönigs Aufstieg

17-jähriger Änis Ben-Hatira geht von TeBe zum HSV

Karsten Doneck

Berlin - Hermann Gerland schaute zu, mehr als einmal und nicht nur aus alter Verbundenheit. Der Trainer der Amateure von Bayern München hatte bei seinem früheren Arbeitgeber Tennis Borussia seit langem ein Auge auf Änis Ben-Hatira geworfen. Gewissenhaft wie Gerland ist, beobachtete er den Spieler mehrfach und lotste ihn dann zu einem Probetraining nach München. Verpflichtet wurde er nicht, aber für März verabredete man sich erneut.

Die Kosten für das Flugticket kann sich der FC Bayern sparen. Ben-Hatira hat jetzt einen Vertrag unterschrieben bis 2008 – beim Hamburger SV. Er ist erst 17 Jahre jung, spielt bei den A-Junioren, ist aber, wie HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer sagt, „einer der besten offensiven Mittelfeldspieler seines Jahrgangs“. Zunächst wird Ben-Hatira als Vertragsamateur geführt, soll im Regionalliga-Team des HSV Erfahrung sammeln. „Aber schon wenn er nur fünf Mal in der Bundesliga auf der Bank sitzt, wird sein Vertrag in einen Profivertrag umgewandelt“, sagt Tennis Borussias Aufsichtsratsvorsitzender Willy Kausch.

Reich macht der Transfer die in der Viertklassigkeit spielenden Tennis Borussen nicht. Es gibt rund 25 000 Euro als Ausbildungsentschädigung. TeBe erhält noch einen Nachschlag, wenn Ben-Hatira zu Bundesligaeinsätzen kommt. Geschätzt 120 000 Euro werden da noch einmal an TeBe überwiesen.

Änis Ben-Hatira ist der Sohn tunesischer Eltern. Geboren wurde er in Berlin. Hertha BSC bildete ihn fußballerisch aus – und sortierte ihn schließlich aus. Der Grund: Ben-Hatira war den Trainern zu ballverliebt. „Der galt als Fummelkönig. Er hat sich selten mal an das gehalten, was ihm die Trainer gesagt haben“, sagt Ronny Maschke, Sportlicher Leiter bei TeBe, zuvor Leiter der Amateurabteilung bei Hertha. „Ein Schock“ sei die Trennung von Hertha für ihn gewesen, sagt Ben-Hatira, „ich dachte wirklich schon daran, mit dem Fußballspielen aufzuhören“.

Nach kurzer Bedenkzeit in Tunesien kehrte er zurück, schloss sich TeBe an. „Er ist zielstrebig und hat den absoluten Willen“, sagt Kausch. „Ich will mir selbst beweisen, dass ich es schaffe“, sagt Ben-Hatira. Als er im November zu einem dreitägigen Probetraining in Hamburg war, ließ ihn HSV-Trainer Doll gleich bei den Profis ran. Ein gutes Zeichen: In München trainierte er nur mit den Amateuren.

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