• Funktionär im Zwielicht IOC-Chefprüfer Gerhard Heiberg soll Vancouver bevorteilt haben

Sport : Funktionär im Zwielicht IOC-Chefprüfer Gerhard Heiberg soll Vancouver bevorteilt haben

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Prag (dpa). Drei Tage vor der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2010 durch die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Prag ist mit Gerhard Heiberg eine entscheidende Persönlichkeit beim Dreikampf zwischen den Städten Vancouver, Salzburg und Pjöngjang (Südkorea) in den Mittelpunkt einer Affäre geraten. Im Finale einer bisher sauber geführten Wahlkampagne wird dem Norweger Heiberg Parteinahme für Vancouver vorgeworfen. Heiberg, der auch für die IOCVizepräsidentschaft kandidiert, ist als Vorsitzender der Evaluierungskommission Chefprüfer des IOC. Sein Gremium hatte Vancouver vor Salzburg und dem südkoreanischen Außenseiter Pjöngjang die Bestnote ausgestellt.

Heiberg weist die Vorwürfe der Interessenskollision zurück. Vor der Vergabe der Winterspiele am Mittwoch und der Wahl zur IOC-Exekutive am Freitag rechne er „mit noch mehr Gerüchten“. Dann werde er vor der Vollversammlung „das Thema ansprechen“.

Heiberg wird vorgeworfen, dass er vor einem Jahr bei der Fusion von Aker mit dem Konzern Kvaerner zu einem weltweit tätigen Öl-, Chemie- und Schiffsbau-Multi durch die Nominierung des Aufsichtsrats entscheidend mitgewirkt habe. Der 64-Jährige war bis 1996 Vorstands- und Aufsichtsratschef des Unternehmens Aker. Aker Kvaerner betreibt in Kanada zwölf Geschäfte, allein vier davon in Vancouver.

Heiberg sagt: „Ich habe viel Geld verdient, aber nichts in dem Nominierungskomitee zur Bildung des Aufsichtsrats von Aker Kvaerner. Deswegen, und weil dieses Unternehmen in Südkorea mehr Geschäfte macht als in Vancouver, und weil ich von 1966 bis 1972 in Salzburg gelebt habe, ist es mir nicht in den Sinn gekommen, mich für befangen zu erklären.“ Das sehen IOC-Mitglieder anders. In Folge des Korruptionsskandals um den Olympia-Bewerber Salt Lake City wurde ein verschärfter Ehrenkodex eingeführt. Er schreibt den IOC-Mitgliedern vor, jede berufliche Tätigkeit, die mit der Funktion im IOC kollidieren könnte, der neu geschaffenen Ethik-Kommission zu melden. Das hat Heiberg anscheinend nicht für notwendig gehalten.

Gerhard Heiberg war 1994 Cheforganisator der Winterspiele im norwegischen Lillehammer. Wenig später wurde er in das IOC aufgenommen. Dort gilt er als Reformer. Mit seinen Forderungen nach mehr olympischer Demokratie und Transparenz liegt er ganz auf der Linie von IOC-Präsident Jacques Rogge, der ihn auch zum Vorsitzenden der Marketing-Kommission befördert hat. Jetzt wird in Prag mit Spannung beobachtet, ob die Affäre Heibergs Chancen auf die Vizepräsidentschaft beeinträchtigt.

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