Sport : Fuß vom Zwischengas

Mit Regeländerungen mitten in der Formel-1-Saison soll Sebastian Vettels Red Bull eingebremst werden

Karin Sturm[Valencia]
Der neue Dienstwagen? Sebastian Vettel demonstrierte am Wochenende bei „Wetten, dass...?“, dass er auch ohne große technische Unterstützung lenken kann. Diese Fähigkeit wird er nach der Abrüstung seines Red Bull auch in der Formel 1 benötigen. Foto: dapd
Der neue Dienstwagen? Sebastian Vettel demonstrierte am Wochenende bei „Wetten, dass...?“, dass er auch ohne große technische...Foto: dapd

Es ist die einzige verlässliche Regel in der Formel 1: Ist ein Auto zu schnell, dann ändert man das Reglement und verbietet das, was man für die Ursache der Überlegenheit hält. Auch jetzt greift der Automobil-Weltverband Fia auf die bewährte Bremsmethode zurück. Ab dem nächsten Rennen in Silverstone wird das sogenannte Anblasen des Diffusors verboten, Veränderungen von Motoreinstellungen zwischen Qualifying und Rennen schon ab dem Rennen an diesem Wochenende in Valencia. Beide Änderungen richten sich vor allem gegen das Red-Bull-Team um Weltmeister Sebastian Vettel.

Die meisten Teams nutzen bis jetzt die heißen Auspuffgase dazu, den sogenannten „Diffusor“, ein Aerodynamikelement am hinteren Unterboden des Autos, ständig anzublasen, um damit den Abtrieb und so die Kurvengeschwindigkeiten zu erhöhen. Damit das auch in der Phase des Gaswegnehmens, in der eigentlich keine Auspuffgase anfallen würden, möglich ist, wird durch spezielle Einstellungen in der Motorelektronik in dieser Zeit eine Situation des „künstlichen Zwischengasgebens“ nur zu diesem Zweck erzeugt. Gemeinsam mit den radikalen Motoreinstellungen, die dann vor dem Rennen per Software noch geändert werden, soll Vettels Rennstall dadurch eine deutliche Überlegenheit in der Qualifikation generieren.

Die meisten Konkurrenten von Red Bull glauben jedenfalls, dass der Vorsprung des Weltmeisterteams genau in diesen Bereichen zu suchen ist. Sie hoffen, aus dem Verbot eigene Vorteile ziehen zu können. Allen voran Ferrari, die „das System ja nie wirklich zum Laufen bekommen haben“, wie Red-Bull-Sportdirektor Helmut Marko gern leicht spöttisch anmerkt. Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali meinte deshalb: „Es kann gut sein, dass die Formel 1 ab Silverstone völlig neu beginnt.“

Kein Wunder, dass Helmut Marko seinen Ärger über die plötzlichen Regeländerungen kaum verbergen kann. „Es ist schon sehr merkwürdig, so etwas mitten in der Saison zu machen“, sagt er. „Wenn die anderen uns nicht kopieren können, dann versuchen sie eben, unsere Ideen verbieten zu lassen. Dass man es damit so eilig hat, macht schon den Eindruck, als ginge es dabei in erster Linie um die Dominanz von Red Bull.“ Die Fia bringt dagegen zumindest offiziell als Argument vor, dass durch das künstliche Zwischengas mehr Sprit verbrannt würde als nötig. Es geht dabei um 15 bis 20 Liter Mehrverbrauch pro Rennen und die Tatsache, dass es eben nicht dem Reglement entspreche, wenn auf diese Art der Motor zum aerodynamischen Hilfsmittel würde. Man müsse das Ganze jetzt stoppen, weil das eine Richtung sei, die vorher nicht abzusehen gewesen wäre.

Sebastian Vettel bleibt dennoch gelassen. Er glaubt nicht daran, dass Red Bull von dem Verbot einen besonderen Nachteil haben wird. „Ich denke nicht, dass es uns härter treffen wird als irgendjemanden sonst“, erklärt der 23-Jährige. „Unser Auto hat seine Stärken in einem sehr guten Gesamtkonzept und nicht in diesen ganz speziellen Punkten.“ Er geht sogar so weit, zu vermuten, „dass es andere vielleicht noch viel mehr treffen könnte. Diejenigen nämlich, die über längere Zeit intensiv versucht haben, unser System zu kopieren, und dabei eher andere Komponenten an ihrem Auto vernachlässigt haben – Mercedes zum Beispiel.“ Vettels Teamkollege Mark Webber meint, „dass alle Spitzenteams in etwa gleich betroffen sein werden“.

Marko warnt die Konkurrenz schon davor, sich allzu sehr auf einen Leistungseinbruch zu verlassen. „Wir wären nicht Red Bull, wenn wir nicht schon ein paar Ideen hätten, wie man den Effekt des Verbotes mildern kann.“ Auch Nick Heidfeld ist „sehr gespannt, wie sich die Situation entwickelt. Aber grundsätzlich ist das schon sehr zweifelhaft, so etwas mitten im Jahr zu machen“, sagt der Lotus-Renault-Pilot. „Das tut auch dem Gesamtimage der Formel 1 nicht gut – von den Kosten mal ganz zu schweigen.“

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