Fußball-Ausschreitungen : Erneute Bewährungsstrafe nach Leipziger Krawallen

Ein 23-Jähriger ist in Leipzig zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er bei den Fußball-Krawallen im Februar Steine auf Polizisten geworfen hatte. Im Nachhinein sei ihm die Tat unerklärlich, beteuerte der Verurteilte.

LeipzigDas Amtsgericht Leipzig hat am Freitag einen 23-Jährigen als vierten Täter der Fußball-Krawalle im Februar in Leipzig zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Wegen Landfriedensbruchs und versuchter gefährlicher Körperverletzung drohen dem Mann 14 Monate Haft, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt sind. Zudem muss er 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Das Amtsgericht Leipzig sah es als erwiesen an, dass der junge Mann bei den Ausschreitungen mindestens zwei Steine in die Richtung von Polizisten warf.

Bei der Verurteilung bezog das Gericht einen Strafbefehl wegen versuchten Betruges ein. Ohne ihn wäre die Strafe allerdings nur um einen Monat niedriger ausgefallen. Ein weiterer, ebenfalls für Freitag angesetzter Prozess gegen einen mutmaßlichen Randalierer musste ausgesetzt werden. Die Verteidigerin des 35 Jahre alten Angeklagten hatte ihr Mandat kurzfristig niedergelegt. In vorangegangenen Prozessen im Juni und Juli waren zwei Männer zu Bewährungsstrafen sowie ein 20-Jähriger zu Jugendarrest verurteilt worden.

36 Beamte verletzt

Bei den Krawallen nach dem Landespokalspiel des 1. FC Lokomotive Leipzig gegen den FC Erzgebirge Aue II am 10. Februar waren bei einer Straßenschlacht nach Polizeiangaben insgesamt 36 Beamte verletzt worden. 300 Polizisten standen 800 Fußballanhängern gegenüber, von denen sich etwa 300 aktiv an den Ausschreitungen beteiligt hatten.

"Sie haben sich bewusst diesem Mob angeschlossen und sich bewusst an dem Angriff beteiligt", begründete Richterin Ute Fritsch die Verurteilung. Mit hochgerecktem Arm habe der 23-Jährige zudem dazu beigetragen, dass die Stimmung immer aggressiver und aufgeheizter wurde. Bei seinen Steinwürfen habe er in Kauf genommen, dass Polizisten schwer verletzt werden.

Der zurzeit arbeitslose Fachlagerist hatte sich kurz nach den Ausschreitungen der Polizei gestellt, nachdem er sich auf Fahndungsfotos im Internet entdeckt hatte. Im Prozess gab er auch die Steinwürfe zu. Es sei ihm unerklärlich, warum er sich habe mitreißen lassen, sagte er. (mit dpa)

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