Fußball-Betrugsprozess : Anklage fordert Haft für Ante S. und Marks

Im Fußball-Betrugsprozess hat die Berliner Staatsanwaltschaft am Dienstag auf milde zwei Jahre Haft auf Bewährung für Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer plädiert. Sein einstiger Kollege Dominik Marks soll dagegen einsitzen.

Berlin - Hoyzer hatte das Verfahren durch sein Geständnis überhaupt in Gang gebracht. Dagegen soll Hoyzers Ex- Kollege Marks überraschend für zwei Jahre in Haft, der geständige, mutmaßliche Drahtzieher Ante S. für moderate zwei Jahre und elf Monate. Zudem soll der Haftbefehl gegen den seit neuneinhalb Monaten in Untersuchungshaft sitzenden Ante S. aufgehoben werden. Für den mitangeklagten Milan S. wurden 14 Monate Haft auf Bewährung plus 50 000 Euro Geldstrafe gefordert, für Bruder Filip ein Jahr.

Die Plädoyers der Verteidiger waren für den Nachmittag des neunten Verhandlungstages geplant, die Urteile für Donnerstag. Das Verfahren gegen Ex-Profi Steffen Karl, der jegliche Manipulationen abgestritten hatte, wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.

Sollte sich die Staatsanwaltschaft mit ihren Anträgen bei der 12. Strafkammer des Berliner Landgerichtes durchsetzen, wäre Marks der große Verlierer. Der 30-Jährige aus Stendal hatte zwar gestanden, Geld von Ante S. entgegengenommen zu haben, in einer Erklärung aber bestritten, absichtlich falsch gepfiffen zu haben. Dies will die Anklage notfalls mit weiteren Zeugenvernehmungen widerlegen. «Der Wert dieser Erklärung tendierte gegen Null», sagte Staatsanwalt Thorsten Cloidt. Er will notfalls auch erneut das Regionalliga-Spiel Hertha BSC (A) - Arminia Bielefeld (A) vor Gericht aufrollen und Zeugen wie Schiedsrichter-Assistentin Inka Müller vernehmen lassen.

Die Partie gehörte nicht mehr zu den elf Tatbeständen, mit denen Cloidt seine Anträge begründete. In sechs Fällen handele es sich um gewerbsmäßigen Betrug, in weiteren fünf um gewerbs- und bandenmäßigen Betrug. Durch die Beteiligung von Marks habe er mit Ante S. und Hoyzer eine Bande gebildet, für die laut Rechtsprechung drei Personen nötig sind. Milan und Filip S. seien nur Beihilfe nachzuweisen. Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Fätkinhäuer betonte, es handele sich nicht um organisierte Kriminalität. Der Gesamtschaden betrug immerhin rund zwei Millionen Euro.

Fätkinhäuer wertete Hoyzers und Ante S.' Geständnis als glaubwürdig und erheblich strafmildernd. Allerdings habe Hoyzers «mediales Mitteilungsbewusstsein» das Verfahren auf das Schwerste belastet. «Ich habe in 30 Jahren Berufstätigkeit noch nicht erlebt, dass der Verfahrensbeginn allen Beteiligten via Fernsehen angekündigt wurde», klagte Fätkinhäuer. Da die Beschuldigten stets auf dem Stand der Ermittlungen gewesen seien, habe die Staatsanwaltschaft ständig hinterher laufen müssen. Fätkinhäuer deutete an, dass aus Mangel an weiteren Geständnissen möglicherweise nicht das gesamte Ausmaß des Skandals bestraft werde. «Großes Wissen, kleine Beweise», sagte der Oberstaatsanwalt. Ohne Nachweis einer Geldzahlung sei eine uneingestandene Manipulation nicht beweisbar. Fätkinhäuer hatte in dem Zusammenhang die vom entlasteten Referee Jürgen Jansen geleitete Bundesliga-Partie 1. FC Kaiserslautern - SC Freiburg genannt. (Von Robert Semmler, dpa)

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