Sport : Fußball bildet

Mit dem FSV Mainz 05 auf Uefa-Cup-Reise in Armenien

Daniel Meuren[Eriwan]

Arkadi Andreasyan sitzt ganz oben in der hintersten Ecke des Stadions der Republik in Eriwan. Unten auf dem Platz absolvieren die Fußballer des FSV Mainz 05 gerade bei 40 Grad in der prallen Sonne ihr Abschlusstraining vor dem Rückspiel der ersten Qualifikationsrunde des Uefa- Cups gegen den FK Mika Aschtarak. Der 58 Jahre alte Andreasyan personifiziert die Blütezeit des heutzutage drittklassigen Fußballs in Armenien. Der größte Erfolg der Kaukasus-Republik datiert aus dem Jahr 1975. Damals spielte Ararat Eriwan im Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister gegen Bayern München. Die Münchner traten mit fünf Weltmeistern an und hatten das Hinspiel in München dank zweier Tore in den Schlussminuten gewonnen. Im Rückspiel aber gerieten die Bayern ins Wanken wegen dieses Andreasyans, der den einzigen Treffer des Spiels erzielte: „Wir hatten die Bayern beinahe schon gekippt. Danach waren sie zwei Jahre lang nie mehr so knapp vorm Ausscheiden aus dem Europacup.“ Anders gesagt: Andreasyans Heldentat hat die Bayern zu europäischen Glanzleistungen beflügelt.

Sollten die Armenier nun auch bei Mainz 05 solche Wunder wirken? Jürgen Klopp kann es schon fühlen: „Das sind Eindrücke, die man nicht einfach so irgendwo sammelt“, sagt Klopp. „Das ist richtiger Europapokal mit Verständigungsschwierigkeiten im Hotel und mit dem Gegner.“ Klopp will seine Mannschaft anspornen, weitere solcher Bildungsreisen im Gewinnspiel Uefa-Cup einzuheimsen. „Es liegt an uns, dass wir solche Erlebnisse möglichst oft in dieser Saison wiederholen können.“ Gestern reichte dem Mainzern nach dem 4:0 im Hinspiel ein ereignisarmes 0:0, um in die zweite Qualifikationsrunde einzuziehen. Der Gegner wird heute in Nyon ausgelost.

„Ich denke schon, dass mir diese Erfahrungen was bringen, auch wenn ich es mir abenteuerlicher vorgestellt hatte“, sagt Verteidiger Manuel Friedrich. So aufregend, wie es mancher Mainzer nach der überraschenden Qualifikation über die Fairplay-Wertung der Uefa und vor allem nach der Auslosung erwartet hatte, war die Reise nicht. Eriwan bietet westlichen Luxus, die Organisation verlief reibungslos. Nur der starke Fallwind, der gegen Abend aus dem nahen Gebirge um den 5100 Meter hohen, nach der Bibel von der Arche Noah angelaufenen Berg Ararat über das Land hinwegzieht und das Flugzeug bei der Landung kräftig durchrüttelte, verunsicherte die Fußballer.

Während die Spieler sich in ihren klimatisierten Hotelzimmern auf das Spiel vorbereiteten, haben die rund 200 mitgereisten Fans die Reise zur Horizonterweiterung genutzt. Mit T-Shirts ausgestattet, auf denen die Armenier in deren Sprache gegrüßt werden, machten sie sich auf zu ersten Erkundungstouren in das Land, das im vierten Jahrhundert als erstes das Christentum als Staatsreligion eingeführt hatte. „Das ist eine einmalige Sache, bei diesem ersten Europapokal-Auswärtsspiel dabei zu sein“, sagt Christian Bernhart. Uwe Pettak ist total begeistert von der Hauptstadt Armeniens. „Das hätte ich nicht erwartet, dass wir hier so eine Riesenstadt und solch tolle Gebäude zu sehen bekommen. Ich hätte mit deutlich mehr sichtbarer Armut gerechnet.“

Artur Karapetyan, einer der zwei Dutzend Zuschauer beim Abschlusstraining der Mainzer, hofft unterdessen, dass sein Land von den Gästen lernt. „Ich finde den Trainer von Mainz toll. Der hat gute Ideen, wie im vergangenen Jahr diese Fahrt in die schwedische Wildnis, um den Teamgeist zu fördern.“ Ob der kenntnisreiche, in ein Bayern-Trikot gewandete Fußballfan ahnt, dass die Reise in sein Heimatland in diesem Jahr die Funktion des exotischen Mannschaftsausflugs übernommen hat?

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