Fußball-Bundesliga : Aufräumen zum Aufbäumen

Mit vier Neuzugängen und ohne sieben alte Spieler will der Tabellenletzte Borussia Mönchengladbach dem Abstieg noch entrinnen.

Richard Leipold

MönchengladbachDie Letzten sind die Ersten. Gegen den vorläufigen Trend in der Fußball-Bundesliga hat sich Borussia Mönchengladbach, aktuell Tabellenletzter, an die Spitze des Klassements gesetzt – beim Rekrutieren neuen Personals, das helfen soll, den dritten Abstieg der Vereinsgeschichte zu verhindern. Während die meisten Klubs noch den Markt beobachten, startete die Borussia auf Geheiß von Cheftrainer Hans Meyer ein gut fünf Millionen Euro teures Investitionsprogramm. Beim ersten Training des neuen Jahres präsentierte der einstige Renommierklub den 1500 Zuschauern vier Profis, die teils als Nothelfer, teils mit mittel- oder langfristiger Perspektive verpflichtet worden sind.

Eher kurzfristig ist das Engagement des defensiven Mittelfeldspielers Tomas Galasek angelegt, der zuletzt bei Banik Ostrau spielte, im Spätherbst seiner Karriere aber unvermutet für ein halbes Jahr nach Deutschland zurückkehrt, um vor der Abwehr Ordnung zu schaffen. Der 35 Jahre alte Tscheche genoss schon als Profi des 1. FC Nürnberg bei Meyer hohes Ansehen. Zu den reiferen Semestern gehört auch der zweite Bundesliga-Rückkehrer Paul Stalteri. Der 31 Jahre alte Außenverteidiger, 2004 mit Werder Bremen Deutscher Meister, bestritt bei Tottenham Hotspur in dieser Saison kein einziges Spiel in der englischen Premier League.

Während Stalteri bis 2011 verpflichtet wurde, planen die Gladbacher mit zwei deutlich jüngeren Kräften zwei Jahre länger. Der 25 Jahre alte Brasilianer Dante vom Belgischen Meister Standard Lüttich soll das Abwehrzentrum stabilisieren. Als Vierter im Bunde der Rettungskräfte kommt Logan Bailly vom KRC Genk, einer der besten Torhüter Belgiens. Der 23-Jährige, der als extrovertiert und selbstsicher gilt, besetzt eine Position, die seit längerem zu den neuralgischen Punkten der Gladbacher Mannschaft gehört. „In der Hinrunde waren wir die Schießbude der Nation. Wenn wir nichts verändert hätten, würden wir hundertprozentig absteigen“, sagte Meyer. Nochmals ein Hieb gegen den vormaligen Sportdirektor und Kotrainer Christian Ziege, der die Mannschaft gemeinsam mit Meyers Vorgänger Jos Luhukay zusammengestellt hatte. Weil Ziege als Trainerassistent zurückgetreten ist, ließ Meyer auch diese Position neu besetzen – mit Manfred Stefes, der dem Cheftrainer schon bei dessen erster Dienstzeit in Mönchengladbach zur Hand gegangen war.

Meyer hatte schon wenige Wochen nach seiner Rückkehr öffentlich die Qualitätsfrage gestellt und sie sogleich selbst beantwortet: zu viel Masse, zu wenig Klasse. Die Balance zwischen Abwehr und Angriff stimme nicht. Der Fußballlehrer, jenseits der Pensionsgrenze für bürgerliche Berufe, stellte alsbald fest, dass selbst er nicht viel ausrichten konnte, weder mit der Wucht seiner Autorität noch mit der Wucht seiner Worte, deren Überzeugungskraft doch ein wenig gelitten zu haben scheint. Ironie und Zynismus schießen keine Tore, und sie verhindern auch keine. Das sollen nun die neuen Kräfte übernehmen und gewissermaßen auch eine Reihe von Ausgemusterten – indem sie nicht länger stören. Sieben Profis sind trotz laufender Verträge aufgefordert, den Klub so schnell wie möglich zu verlassen, darunter Sascha Rösler, Alexander Voigt und Marcel Ndjeng, die das Publikum vor sieben Monaten noch als Aufstiegshelden gefeiert hat.

Nach den Aufräumarbeiten will Meyer nun eine Formatierung in Angriff nehmen, die das Team ins Gleichgewicht bringen soll. Einen ersten Erfolg feierten die Gladbacher gestern: Durch einen Sieg im Neunmeterschießen gegen Leverkusen gewannen sie das Hallenturnier in Dortmund. „Wir werden in den kommenden Wochen viel trainieren und die Mannschaft passend machen“, sagt Meyer. Und das nicht etwa unter Sonne und Palmen, sondern daheim am Niederrhein, wo nur die Rasenheizung Wärme verströmt. Gladbach verzichtet als einziger Bundesligaverein auf ein Winterlager in südlichen Regionen. „Wir haben doch ein beheiztes Trainingsgelände“, sagt Meyer, „und für das Teambuilding können wir alle zusammen auf die Sonnenbank gehen.“

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