Sport : Fußball-Bundesliga: Eine Serie will nicht enden

Sven Goldmann

Es bleibt dabei: Ob als Tabellenführer, ob mit einer Serie von fünf Siegen im Rücken, ob mit dem Argument, der Gegner hat die vorangegangenen drei Spiele allesamt verloren - die Fußballer von Hertha BSC können in Dortmund einfach nicht gewinnen. Denn da gibt es noch eine Serie, und die hielt gestern vor über 60 000 Zuschauern im Westfalenstadion. Seit 28 Jahren siegten die Berliner nicht mehr in Dortmund, die vergangenen sieben Partien gingen verloren, unter ihrem Trainer Jürgen Röber hieß es zuletzt 0:3, 0:3 und 0:4. Gestern immerhin hielt Hertha die Höhe der Niederlage in Grenzen, aber ein Tor wollte wieder nicht gelingen. 2:0 siegte Borussia Dortmund durch Treffer von Ricken in der dritten und Reina in der 72. Minute.

Das frühe Gegentor zerstörte natürlich das taktische Konzept der Gäste. Und es gab außerdem auf eine recht glückliche Art und Weise zu Stande. Der Dortmunder Stevic hatte einen Freistoß ziemlich unplatziert in die Berliner Mauer geschossen, der Ball prallte zum 24-jährigen Ricken, und der stürmte damit in die entblößte rechte Straumhälfte Herthas hinein. Aus 14 Metern zog er unhaltbar für Torwart Kiraly ab. Ein Sonntagsschuss am Freitag - sehr ärgerlich für den Tabellenführer.

In der Folge entwickelte sich ein nicht sonderlich ansehnliches Spiel, in dem Hertha zwar im Mittelfeld ein Übergewicht hatte, doch nicht zu wirklichen Torchancen kam. Die Dortmunder konnten sich aufs Kontern verlegen und bekamen so viele Gelegenheiten, auf 2:0 zu erhöhen. Mehrere Male war es Reina, der sie überhastet vergab, auch Kohler nach einer Ecke hatte die Chance. Ihnen allen kam entgegen, dass Herthas Abwehr der an einer leichten Bronchitis leidende van Burik und Rehmer (Muskelfaserriss) fehlten. Die für sie eingesetzten Tretschok und und Konstantinidis wirkten, freundlich gesagt, nicht sehr gut eingespielt. Vor allem dem bravourös haltenden Kiraly und der Unfähigkeit der Dortmunder Stürmer war es zu danken, dass daraus vor der Pause keine weiteren Treffer resultierten.

In der 64. Minute jubelte das Dortmunder Publikum bereits im Gefühl des 2:0-Vorsprungs. Addo hatte geschossen, Kiraly nur abgewehrt und Ikpeba den Ball mit dem Kopf ins Netz bugsiert. Doch weil der Nigerianer bei Addos Schuss im Abseits gestanden hatte, erkannte Schiedsrichter Meyer aus Braunschweig den Treffer zu Recht nicht an. Acht Minuten später war es dann doch passiert. Der zuvor so glücklose Reina zog aus halblinker Position mit Urgewalt ab, sein Gegenspieler Sanneh begnügte sich mit der Rolle des Zuschauers, und das Geschoss zischte über Kiralys Kopf an die Unterlatte und von dort ins Hertha-Tor.

Röbers Halbzeitappell "wir dürfen nicht blind in die Konter reinlaufen" war nicht befolgt worden. Am Ende hätte das Ergebnis noch höher ausfallen können. Der Spitzenreiter der Bundesliga blieb, allerdings von vielen Verletzungen geschwächt, einiges schuldig. Er hatte in 90 Minuten keine einzige zwingende Torchance. Das ist zu wenig, um eine Serie zum Reißen zu bringen.

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