Fußball-Bundesliga : So kann Hertha BSC den FC Bayern München ärgern

Im Spiel gegen den FC Bayern München könnte Hertha BSC taktisch überfordert sein - rechnet sich aber auch Chancen aus. Eine Taktikanalyse.

Constantin Eckner
Viel zu tun. Herthas Trainer Jos Luhukay (Mitte) stellt seine Mannschaft auf eine schwere taktische Aufgabe ein.
Viel zu tun. Herthas Trainer Jos Luhukay (Mitte) stellt seine Mannschaft auf eine schwere taktische Aufgabe ein.Foto: Imago

Es ist sicherlich nicht verkehrt im Profifußball, einen Plan zu haben. Doch manchmal hilft auch die beste Vorbereitung nichts, wie der Trainer von Hertha BSC weiß. „Wir können unseren Plan haben“, sagt Jos Luhukay, „aber die andere Frage ist, ob Bayern den auch zulässt.“ Wenn Hertha am Samstag den Bundesliga-Tabellenführer FC Bayern München im Olympiastadion empfängt, spricht fast alles gegen die Berliner.

Sechs Niederlagen und vier Siege aus den ersten zwölf Spielen, dazu die viertmeisten Gegentreffer der Liga. Jos Luhukay muss sich fragen, welche taktischen Fehler er im ersten Saisondrittel begangen hat. Seine grundlegenden Ansätze sind derweil schnell zusammengefasst: Mannorientierung, simpler Spielaufbau, individuelle Durchschlagskraft im letzten Drittel des Feldes.

Bayerns Flügelspiel könnte Hertha weh tun

Im Moment funktionieren die Mechanismen bei Hertha BSC aber nur vereinzelt, umso wichtiger war der erste Auswärtssieg am letzten Wochenende beim 1. FC Köln.

Der letzte Sieg von Hertha BSC gegen den FC Bayern
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16.02.2017 17:54Pal Dardai war dabei beim letzten Sieg von Hertha BSC über den FC Bayern. Darf er jetzt auch als Trainer jubeln?

Dabei hatte Hertha bisher vor allem mit Luhukays Defensivansatz Probleme. Er lässt eine strikte Mannorientierung spielen und verlangt folglich klare Eins-zu-Eins-Zuordnungen. Die Aufgabenstellung ist einfach und erschwert den Berlinern doch aktuell das Leben. Wenn sich ein Akteur des gegnerischen Teams aus der Deckung befreien kann, droht Ungemach. Ein anderer Spieler attackiert dann, vernachlässigt seinen Gegenspieler. Ein Dominoeffekt entsteht. Hinzu kommen klassische taktische Mittel gegen diese Mannorientierung. Man kann durch Ausweichen auf die Flügel beispielsweise jeweils einen Herthaner herausziehen. Es entstehen Lücken, die wiederum bespielt werden können.

Hertha war zuletzt aufs Kontern eingestellt

Hinzu kommen die Berliner Schwächen im Spielaufbau. Hertha hatte in dieser Saison im Schnitt 46 Prozent Ballbesitz und war zuletzt auf Konter eingestellt. Phasenweise ist das Team aber dazu gezwungen, selbst aus der Abwehr heraus gegen einen geordneten Gegner in die gefährlichen Zonen gelangen zu müssen. Allerdings werden zu viele lange Bälle direkt von den Innenverteidigern nach vorn geschlagen. Mit kurzen Pässen können die Berliner am ehesten auf Hajime Hosogai vertrauen, der sich häufiger, wie zuletzt gegen Köln, in die Räume der Außenverteidiger fallen lässt, während diese bereits aufrücken. So gelingt es, die erste Pressingwelle zu umspielen.

Doch die Formation der Hertha wirkt nicht selten gestreckt. Die vier Offensivakteure schieben frühzeitig nach vorn, was bei langen Bällen sinnvoll wirkt, aber beim kurzen Aufbauspiel kontraproduktiv ist. Und gegen die Bayern dürfte es schwer werden, das eigene Spiel durchzusetzen. Luhukay sagt: „Es gibt immer Situationen, in denen man zuschlagen kann, auch gegen eine so gute Mannschaft.“

Gegen Pep Guardiolas FC Bayern droht eine gnadenlose Offenlegung der aktuellen Probleme. Dies beginnt mit Mannorientierungen, die gegen die Münchener nach hinten losgehen können. Guardiola negiert mit seinem Positionsspiel quasi feste Grundformationen. Vielmehr sollen seine Spieler bestimmte Räume ständig besetzen, den Angriff über viele Pässe entfalten. „Die Bayern sind in der Ausführung ihres Systems so flexibel, sie haben so viele Möglichkeiten, ihre Qualitäten und ihre individuelle Klasse einzubringen. Da werden wir viel zu tun haben“, sagt Luhukay. Insbesondere wird sich Herthas Trainer etwas gegen Xabi Alonso einfallen lassen müssen. „Der hat in jedem Spiel 150 oder noch mehr Ballkontakte. Es wäre schön, wenn wir ihn ein wenig aus dem Spiel nehmen können.“

Xabi Alonso in Manndeckung? Gefährlich!

Sicherlich kann man Xabi Alonso in direkte Deckung nehmen, aber gegen die ständigen Rochaden und flüssige Bewegungen abseits des Balls ist eine direkte Zuteilung fatal. Es kann sein, dass Luhukay womöglich einen Stürmer opfert und sein zentrales Mittelfeld im Gegenzug verstärkt. Die weiträumigen Zuspiele Skjelbreds sowie die Schnelligkeit von Beerens und Stockers Ballbehauptung könnten ein simpler Weg zu Kontern sein. Oder Luhukay überrascht erneut gegen eine Top-Mannschaft, wie er bereits Ende August Bayer Leverkusen mit einer Fünferkette ins Schwitzen brachte.

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