Fußball-Bundesliga : Zeit der Endspiele

Drei Teams kämpfen um den Titel, mindestens neun Mannschaften um den Klassenverbleib - der Showdown in der Fußball-Bundesliga verspricht reichlich Nervenkitzel.

Düsseldorf - Vier Spieltage vor dem Saisonfinale am 19. Mai beginnt die Zeit der Endspiele. Vor allem die Konstellation am Tabellenende sucht in der 44-jährigen Liga-Historie ihresgleichen: Ganze drei Zähler trennen den Tabellen-Zehnten Hamburger SV (36 Punkte) von der Abstiegszone. Um dem kostspieligen Gang in die Zweitklassigkeit zu entgehen, sind voraussichtlich mehr Punkte denn je nötig.

Mit dem Karlsruher SC in der Saison 1997/98 erwischte es erst einen Club seit Einführung der Drei-Punkte-Regelung mit 38 Punkten. Gut möglich, dass eine solche Ausbeute diesmal nicht reicht. Für Borussia Mönchengladbach (25) ist sie ohnehin illusorisch: Ohne ein Erfolgserlebnis des Schlusslichts im Heimspiel gegen Stuttgart bei gleichzeitigen Rückschlägen der Mitkonkurrenten wäre der zweite Bundesliga-Abstieg des Altmeisters vom Niederrhein nach 1999 besiegelt. Trotz der fast aussichtslosen Lage forderte Sportdirektor Christian Ziege die Profis zu einem finalen Kraftakt auf: "Die Mannschaft weiß, dass sie bis zur letzten Minute alles, wirklich alles geben muss."

Herzschlag-Finale an der Spitze

Mit dem Abstieg von Mönchengladbach könnte die erste Saisonentscheidung bereits am 31. Spieltag fallen. Im Rennen um die Meisterschaft und die restlichen Abstiegsplätze erwartet die Fachwelt jedoch ein Herzschlag-Finale. An der Tabellenspitze wird viel davon abhängen, wie Werder Bremen die 0:3-Schlappe im Hinspiel des Uefa-Cup-Halbfinales bei Espanyol Barcelona verkraftet. Schlagzeilen über die umworbenen Werder-Stars Miroslav Klose, Torsten Frings und Diego sind dem anstehenden Fernduell mit dem FC Schalke ebenfalls wenig zuträglich. Ein angebliches Geheimtreffen von Klose mit Vertretern des FC Bayern München sorgte vor dem Spiel beim Tabellen-15. Bielefeld (33) am Sonntag für reichlich Zündstoff: "Wir wollen keine Bayern-Schweine", beschimpften erboste Werder-Fans in Barcelona ihren einstigen Liebling.

Die "Wildereien" ("Süddeutsche Zeitung") der Bayern-Bosse bei ihrer Suche nach neuen Führungsspielern sorgten nicht nur in Bremen für Gesprächsstoff. Drei Tage vor dem Auftritt des Hamburger SV beim Tabellen-Vierten sollen die Münchner auch Kontakt zu HSV-Spielmacher Rafael van der Vaart aufgenommen haben. Solche Spekulationen kommen den Hamburgern im Abstiegskampf wenig gelegen. Ein deutliches Dementi soll für Ruhe und volle Konzentration auf den Überlebenskampf sorgen. "Wir werden van der Vaart nicht abgeben. Wir wissen, was wir an ihm haben", stellte Sportchef Dietmar Beiersdorfer klar.

Trainerdiskussionen und Treueschwüre

Störende Misstöne gab es vor dem Saisonfinale auch in Frankfurt, Bielefeld und Wolfsburg. Den Hessen (34) machte eine Diskussion um die Zukunft von Trainer Friedhelm Funkel zu schaffen. Vor dem wichtigen Spiel beim Tabellennachbarn Borussia Dortmund (35), der in dieser Saison erst vier Heimspiele gewann und nicht zuletzt deshalb ebenfalls gefährdet ist, sprach Heribert Bruchhagen dem Fußball-Lehrer das Vertrauen aus. "Wir haben uns im Vorstand beraten und alle Dinge auf den Tisch gelegt. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass Herr Funkel weiter unser Vertrauen hat", sagte Frankfurts Vorstandschef.

Einen ähnlichen Treueschwur leistete Bielefelds Präsident Hans-Hermann Schwick für Trainer Ernst Middendorp, der in seinem PKW von der Polizei im Zustand der "absoluten Fahruntüchtigkeit" angetroffen worden war. In Wolfsburg bekam Fußball-Lehrer Klaus Augenthaler vor dem Duell in Nürnberg reichlich Gegenwind zu spüren. Zwar stärkte Geschäftsführer Klaus Fuchs dem ehemaligen Profi den Rücken, äußerte aber auch Verständnis für den Unmut der Fans: "Das muss er aushalten. Da muss der Trainer durch", sagte er dem "Kicker". (Von Heinz Büse, dpa)

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