Sport : Fußball-Business: Das Ende des Größenwahns

Robert Ide

Große Emotionen bei kleinen Ereignissen. Im Magdeburger Ernst-Grube-Stadion bejubelten 20 600 Zuschauer den Aufstieg des 1. FC Magdeburg in die Regionalliga, in Potsdam sahen 14 700 ein drittklassiges Spiel zwischen Babelsberg 03 und Fortuna Düsseldorf. Fußball boomt auch in der Unterklassigkeit. Vereine mit klangvollen Namen und ruhmreicher Tradition kicken jenseits der Fernsehöffentlichkeit. Sie alle hoffen auf den Aufstieg und das große Geld. Sponsoren wie Kinowelt-Chef Michael Kölmel wittern ihr Geschäft. Kölmel investierte gleich in 13 Klubs, vorrangig in den Amateurklassen. Nun zieht er seine Bürgschaften zurück, die Vereine stehen vor der Pleite. In den Stadien von Essen, Ulm, Leipzig und Magdeburg verwandelt sich der Jubel in Wut.

Doch die Vereine sind selbst schuld an diesem Desaster. Sie haben sich um Kölmels Millionen gerissen und sich abhängig gemacht. Auch der 1. FC Union hat das getan - und so den Aufstieg und den Einzug ins Pokalfinale erzwungen. Glück gehabt. Aus den Amateurklassen sind längst Profiligen geworden. Spielergehälter explodieren, Reisen zu Auswärtsspielen werden immer teurer. Größenwahn macht sich breit. Fast neun Millionen Mark hat sich Fortuna Düsseldorf die Saison kosten lassen - für drei Trainer und ein paar abgehalfterte Stars. Nun steigen sie ab, sportlich und wirtschaftlich.

Der Deutsche Fußball-Bund hat dem Treiben lange zugesehen. Untätig. Wenn er nun bis zu sechs Regionalligisten die Lizenz verweigern muss, ist das auch Ausdruck eigenen Versagens.

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