Fußball : Deisler-Verletzung schockt Bayern und Klinsmann

Fußball-Nationalspieler Sebastian Deisler muss sich nach einer Trainingsverletzung einem erneuten Eingriff am schon fünf Mal operierten rechten Knie unterziehen.

München - Der Mittelfeldspieler soll sich so rasch wie möglich beim Spezialisten Richard Steadman in den USA einer Arthroskopie unterziehen - erst danach wird die Schwere der Verletzung und die Dauer von Deislers neuerlicher Zwangspause feststehen. Im schlimmsten Fall könnte sogar die WM-Teilnahme des 26-Jährigen gefährdet sein.

Trotz umfangreicher Untersuchungen des Gelenkes am Tag nach dem unglücklichen Trainings-Zweikampf von Deisler mit Teamkollege Owen Hargreaves konnte Bayern- und Nationalmannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt keine genaue Aufklärung geben. "Es gibt noch keine exakte Diagnose und damit auch keinen Zeitraum, wie lange Sebastian ausfällt", teilte Trainer Felix Magath am Mittwoch mit.

Deisler werde dem Tabellenführer aber zumindest am kommenden Sonntag im Bundesliga-Spitzenspiel gegen den FC Schalke 04 nicht zur Verfügung stehen, erklärte Magath. Auch ein Länderspiel-Einsatz am kommenden Mittwoch in Dortmund gegen die USA ist ausgeschlossen.

Müller-Wohlfahrt will angesichts der Verletzungsvorgeschichte im Fall Deisler auf Nummer sicher gehen: Der Mittelfeldspieler soll sich in Colorado von Steadman untersuchen lassen, um absolute Gewissheit zu erlangen. Der US-Kniespezialist hatte Deisler zuletzt 2002 an dem Gelenk operiert und maßgeblich dazu beigetragen, dass dieser überhaupt wieder Fußball spielen kann. "Er kennt das Knie am besten", übermittelte Müller-Wohlfahrt. Allerdings wurde seitens des FC Bayern ausdrücklich betont, dass derzeit zwischen einem kurzfristigen und längerfristigen Ausfall von Deisler alles möglich sei.

Der Deisler-Ausfall trifft auch Klinsmann auf dem derzeit so steinigen Weg zur Weltmeisterschaft hart. Der Bundestrainer muss schon um die rechtzeitige Genesung von Schalke-Stürmer Kevin Kuranyi bangen, der erst vor zwei Wochen wegen eines Meniskuseinrisses ebenfalls am Knie operiert werden musste. Frühestens Ende April wird Kuranyi wieder spielen können.

Der Verletzungs-Pechvogel Deisler hatte schon die WM vor vier Jahren in Japan und Südkorea verpasst, nachdem er sich beim 6:2-Sieg gegen Österreich im letzten Testspiel der Nationalmannschaft vor der Abreise nach Asien schwer am rechten Knie verletzt hatte.

Bayern-Manager Uli Hoeneß hat unterdessen angekündigt, dass der Rekordmeister Michael Ballack kein neues Angebot unterbreiten werde, um den Nationalspieler doch noch zu einer Verlängerung seines am Saisonende auslaufenden Vertrages zu bewegen. "Nein, das tun wir nicht", sagte er der "Sport-Bild" (Mittwoch-Ausgabe).

Hoeneß begründete das Verhalten des Rekordmeisters mit dem Interesse des englischen Meisters FC Chelsea London an einer Verpflichtung von Ballack. "Wenn er ein Angebot von Chelsea hat, dann ist dies so viel besser als das vom FC Bayern, so dass wir darüber nicht mehr zu diskutieren brauchen", erklärte Hoeneß. Der Club des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch sei der einzige auf der Welt, mit dem er sich "nicht messen" werde, erläuterte der Manager: "Weil wir finanziell nicht mithalten können."

Im Transfer-Poker um Nationalstürmer Lukas Podolski vom 1. FC Köln sieht der Manager den FC Bayern dagegen im Wettstreit mit den Mitbewerbern Hamburger SV und Werder Bremen in der besseren Position. "Entweder er bleibt in Köln, oder er kommt zu uns. Das sagt mein Gefühl", meinte Hoeneß. Man werde die Gespräche mit dem 1. FC Köln aber erst dann fortführen, wenn die sportliche Zukunft des Abstiegskandidaten geklärt sei. (Von Klaus Bergmann, dpa)

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