Fußball : DFB überprüft gelockertes Stadionverbot für Hooligans

Der Deutsche Fußball-Bund erwägt, die gelockerten Stadionverbote für Hooligans zurückzunehmen. Bis zum nächsten Saisonende soll geprüft und gegebenenfalls die "Notbremse" gezogen werden. Ersten Erkenntnissen zufolge liegen die polizeilich registrierten Straftaten derzeit ein Drittel über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre.

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KSC gegen VfB Stuttgart: Die Karlsruher Fans machen Druck. -Foto: dpa

Frankfurt/MainDer Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat der Innenministerkonferenz (IMK) zugesagt, die umstrittene Verkürzung von Stadionverboten für Hooligans zu überprüfen. Bis Jahresende will der DFB eine erste Bewertung der Neuregelung vorzulegen, kündigte Verbandschef Theo Zwanziger bei einem Treffen mit dem IMK-Vorsitzenden, Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU), an. Zum Ende der Saison 2008/2009 werde es einen Abschlussbericht geben. Wenn der belege, dass die gelockerten Stadionverbote zu Problemen geführt hätten, werde die "Notbremse" gezogen, sagte eine Sprecherin Schönbohms der Zeitung "Die Welt". In diesem Fall würden die Verbote wieder verschärft.

Seit Ende März müssen gewaltbereite Fußballfans, die in Sportarenen randalieren, mit weniger langen Stadionverboten rechnen: Die Maximaldauer des Verbots wurde gegen den Willen der Sicherheitsbehörden in schweren Fällen von drei auf zwei Jahre und in besonders schweren Fällen von fünf auf drei Jahre gesenkt.

Sicherheitsrichtlinien auch für die unteren Ligen

Die IMK hatte den DFB im April aufgefordert, die Änderungen wieder zurückzunehmen. Nachdem der DFB diese Forderung zunächst zurückgewiesen hatte, leitete Zwanziger nun laut der Zeitung einen Kurswechsel ein. Der DFB-Präsident habe Kommunikationsfehler bei der Änderung der Richtlinie eingeräumt.

Zudem sagte Zwanziger dem Blatt zufolge zu, ein Konzept für die Übertragung der für die Bundesliga geltenden Sicherheitsrichtlinien auf die unteren Spielklassen zu erstellen. In jüngster Vergangenheit waren Ausschreitungen von Hooligans zunehmend auch bei Spielen der Amateurligen aufgetreten. Außerdem vereinbarten die Gesprächsteilnehmer, dass die Kontakte zu den Fans verstärkt werden sollen. "Fanprojekte sind ein wesentlicher Baustein der Prävention", sagte Schönbohm.

Am Ende der Saison 2006/2007 waren bundesweit 3158 Stadionverbote in Kraft. Nach Angaben aus Baden-Württemberg liegt die Zahl der polizeilich registrierten Straftaten bei Fußballspielen derzeit etwa 30 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. (nim/ddp)

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