FUSSBALL : Die Kirche muss warten

Zé Roberto möchte Pastor werden. Doch noch hat er mit dem FC Bayern einiges vor. Der 34-Jährige will seinen Vertrag verlängern. Auch die Bayern sehnen die Unterschrift des Leistungsträgers herbei.

Sebastian Krass[München]
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Wohin des Weges? Zé Roberto will bei Bayern München bleiben.Foto: dpa

Zé Roberto ist ein Mensch, der normalerweise in der Öffentlichkeit wenig Aufhebens um seine Verdienste macht. Er hat eine leise Stimme, und wenn man genau zuhört, versteht man Sätze wie: „Die drei Punkte für die Mannschaft machen mich viel glücklicher als mein Tor“, gesprochen am Sonntagabend nach dem aufregenden 3:1-Sieg des FC Bayern gegen Borussia Dortmund.

Fitness-Apostel Klinsmann ist beeindruckt vom Brasilianer

Zehn Tage davor aber hatte Zé Roberto einmal Bescheidenheit Bescheidenheit sein lassen und ganz einfach die Lage, wie sie aus seiner Sicht nun mal ist, beschrieben. Die Frage im Pressegespräch an der Säbener Straße zielte auf seine körperliche Fitness. Die Antwort: „Es gibt in meinem Alter ganz wenige andere Spieler, die das Gleiche leisten. Ich muss gestehen, dass ich ganz gut dabei bin.“ Es ist ein Thema, das offenkundig den Kernbereich seines Selbstwertgefühls berührt. Jeder beim FC Bayern weiß, mit wie viel Hingabe der 34-Jährigen seinen Körper stählt. Selbst Fitness-Apostel Jürgen Klinsmann raunte an jenem Tag von den „diversen Fitnessprogrammen“ seines Teamältesten. Zé Roberto steuerte zu dem Thema noch einen kleinen Witz bei: „Das beste Training ist das Wrestling mit meinem neunjährigen Sohn.“

Natürlich musste er an diesem Tag auch eine Frage nach seiner beruflichen Zukunft beantworten. Sein Vertrag läuft Ende der Saison aus. Doch Zé Roberto wollte sich noch nicht festlegen. „Mitte Februar kommt mein Manager, und dann werden wir mit dem Klub reden“, sagte er, „aber ich weiß noch nicht, was dabei rauskommt.“

Inzwischen dürfte klar sein, was bei diesen Gesprächen herauskommt. Denn Zé Roberto hat sich entschieden. „Ja, ich möchte gern bleiben“, zitiert der „Kicker“ den Brasilianer. „Meine Familie fühlt sich wohl, und wir haben hier noch große Ziele mit den Bayern.“ Damit darf die Vertragsverlängerung Zé Robertos als fix gelten. Denn die Bayern sehnen die Unterschrift schon seit Monaten herbei. Trainer Jürgen Klinsmann sagt: „Zé ist einfach beeindruckend. Er trainiert und spielt auf höchstem Niveau. Und er weiß, dass wir uns viele Gedanken um ihn machen.“

Löcherstopfer mit wunderbarem Ballgefühl

Die Partie gegen Dortmund illustrierte die Bedeutung Zé Robertos wieder einmal. In seiner Funktion als leicht links postierter defensiver Mittelfeldspieler ist er mit Philipp Lahm dafür verantwortlich, die Löcher zu stopfen, die der am Spiel nach hinten desinteressierte Franck Ribéry aufreißen lässt. Zudem findet Zé Roberto immer wieder Gelegenheit, die Offensive der Bayern mit seinem wunderbaren Ballgefühl zu bereichern. Ein kurzes, zielgerichtetes Dribbling hier, ein Doppelpass da.

Nach einem Sabbatjahr trifft er plötzlich

Und Tore schießt er plötzlich auch. Gegen Dortmund war ihm in der 24. Minute ein Abstauber gelungen, mit dem er den frühen Rückstand durch Nelson Valdez ausgeglichen hatte, bevor Miroslav Klose mit seinen zwei Treffern kurz vor Schluss den Sieg der Bayern herausschoss. Zwischen 2002 und 2006 hatte Zé Roberto für die Bayern in der Liga ganze fünf Tore erzielte. Danach nahm er ein Sabbatjahr in Brasilien, beim FC Santos. Seit seiner Rückkehr 2007 traf er schon achtmal in der Bundesliga - dazu kommen zwei Champions-League-Tore in dieser Saison.

van Bommel wird wohl gehen

Zé Robertos Entscheidung hat sicher auch damit zu tun, dass er sich bestens mit Klinsmann versteht. Sie hat womöglich aber auch Konsequenzen für die Zukunft seines Nebenmanns Mark van Bommel, der nicht so gut mit Klinsmann klar kommt. Da auch die Verpflichtung von Anatolij Timoschtschuk für das defensive Mittelfeld feststeht, dürfte Bayerns Noch-Kapitän nun erst recht keine Lust mehr verspüren, den ihm angebotenen Ein-Jahres-Vertrag zu unterschreiben. Laut „Kicker“ lockt ihn sein ehemaliger Verein PSV Eindhoven, unter anderem mit dem Angebot eines Postens für die Zeit nach der aktiven Karriere.

Für diese Lebensphase hat der strenggläubige Zé Roberto auch schon eine Idee. Kürzlich bekannte er: „Ich möchte Pastor werden.“

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