Sport : Fußball: Ein bisschen Zeit fürs Nationalteam

Weltmeisterschaften, Europameisterschaften - das sind die Titel, die im deutschen Fußball zählen. Doch womöglich kommt bald ein weiterer Wettbewerb für Nationalmannschaften hinzu: der "Nationen-Cup". Er soll die oft unattraktiven Freundschaftsspiele ersetzen.

Während die Repräsentanten der kleinen Länder die Idee befürworten, weil sie Mühe haben, Gegner für Freundschaftsspiele zu finden und diese zu finanzieren, sind die großen Verbände skeptisch. DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder rechnet den ärmeren Fußball-Nationen vor: "Wir sind gerne bereit, den Kleinen zu helfen, aber wir können nicht weniger einnehmen, als wir das jetzt mit unseren Freundschaftsspielen tun." Ähnlich äußerte sich Claude Simonet, Präsdident des französischen Verbandes.

Ein weiteres Problem ist das Gerangel um den engen Terminplan der Profifußballer. Erst am Mittwoch lehnte das Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (Uefa) in Prag den Vorschlag ab, die Zahl der Qualifikationsspiele zu senken. Der FC Bayern hatte angeregt, in Zukunft nur noch Dreier-Gruppen zu bilden und so die Belastung der Nationalspieler zu verringern. Die Qualifikation zur EM 2004 in Portugal, die nach der WM 2002 beginnt, wird in zehn Gruppen zu je fünf Mannschaften gespielt. Das bedeutet acht Qualifikationsspiele pro Team. Die Gruppen-Zweiten müssen in zwei weiteren Ausscheidungsspielen jene fünf Teams finden, die das Feld der zehn Gruppensieger und des Ausrichters Portugal ergänzen. Auch der amtierende Europameister Frankreich muss in die Qualifikation. Uefa-Generaldirektor Aigner ist mit dieser Lösung zufrieden: "Die Termine sind durch den internationalen Spielkalender geschützt; da wäre es Unsinn, wenn wir sie nicht ausnutzen."

Die Vereine wollen Veränderungen. Doch Entscheidungen über die Zukunft der Champions League und des Uefa-Pokals fallen erst auf der nächsten Exekutivsitzung im Dezember. Die Champions League betreffend gibt es zwei Denkmodelle. Erstens: Die Zwischenrunde wird abgeschafft. Zweitens: Alles bleibt so, wie es ist. Im Augenblick läuft die Ausschreibung der Champions League für Vermarktungs-Agenturen ab der Saison 2003/2004. Aigner meint: "Wir wollen auch die Ideen der Agenturen hören." Die Frist zur Angebotsabgabe läuft am 4. November ab. Danach wird die Uefa mit Kandidaten, die in die engere Auswahl kommen, vertiefende Gespräche führen.

Für die Zukunft der Uefa kann ein Treffen zwischen Uefa-Chef Lennart Johansson und Frankreichs Fußball-Idol Michel Platini am vergangenen Donnerstag in Stockholm wichtig werden. Platini, derzeit noch Berater von Fifa-Präsident Sepp Blatter, dem großen Gegenspieler Johanssons auf der internationalen Fußball-Bühne, soll im April 2002 an Stelle von Claude Simonet ins Exekutivkomitee der Uefa gewählt werden. Wenn es so kommt, könnte er, versehen mit den Weihen eines Funktionärs, spätestens 2006 die Nachfolge von Johansson antreten.

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