Fußball-EM 2008 : Losglück für Deutschland

Deutschland hat für die Vorrunde der Fußball-Europameisterschaft 2008 die mit Abstand leichteste Auslosung erwischt. Auf das Team von Joachim Löw warten Kroatien, Polen und Österreich. Losfee Jürgen Klinsmann nahm zudem Rache an Italien.

Arne Richter,Klaus Bergmann[dpa]
Klinsmann Foto: dpa
Späte Rache. Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann lost Italien in die "Todesgruppe". -Foto: dpa

Luzern Traumhaftes Glückslos statt mächtige Hammergruppe: Deutschland ist den drohenden Topduellen mit Italien, Frankreich und den Niederlanden gerade noch einmal entkommen und hat für die Vorrunde der Fußball-Europameisterschaft 2008 die mit Abstand leichteste Auslosung erwischt. In der Gruppe B trifft die erneut vom traditionellen Losglück begünstigte DFB-Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw im kommenden Juni in Klagenfurt und Wien auf Kroatien, Polen und Gastgeber Österreich. "Wir haben schon ein bisschen durchgeatmet, dass wir nicht in die Gruppe C gekommen sind", bekannte Löw, der sich im Kultur- und Kongresszentrum von Luzern am Sonntag wie ein echter Glückspilz fühlen konnte: "Wir haben gute Chancen, die nächste Runde zu erreichen. Wir waren vor der Auslosung entspannt und sind es auch jetzt noch."

Ein Lächeln huschte über Löws Gesicht, nachdem Frankreichs Ex-Weltmeister Didier Deschamps das DFB-Team aus dem Lostopf gezogen hatte und die schlimmsten Gegner vermieden waren. "Wir sind schon erleichtert, in Gruppe B zu sein. Das muss man sagen", betonte Löw. Frühestens im Endspiel kann es zur Revanche mit Weltmeister Italien kommen, der von Losfee Jürgen Klinsmann zu Frankreich, den Niederlanden und Rumänien in die "Todesgruppe" C gezogen wurde. Der Ex-Bundestrainer nahm somit indirekt späte "Rache" für das Aus im WM- Halbfinale gegen die Azzurri vor einem Jahr. Auch Titelverteidiger Griechenland mit Trainer Otto Rehhagel oder Geheimfavorit Spanien, die mit Schweden und Russland die Gruppe D bilden, bleiben der DFB-Elf mindestens bis zum möglichen Finaleinzug erspart.

"Seit zwölf Jahren haben wir kein Spiel mehr bei einer EM gewonnen. Eine EM ist vielleicht sogar schwieriger als eine WM. Nur wenn wir eine Top-Performance bringen und am Limit spielen, haben wir eine Chance, bis zum Ende durchzukommen", sagte Löw. "Ich denke, wir können sehr zufrieden sein, wenn man die anderen Gruppen sieht. Gegen den Gastgeber zu spielen ist nicht einfach. Die Österreicher haben sicherlich Probleme in der Nationalmannschaft. Sie mussten keine Qualifikation spielen, aber sie haben Heimvorteil", sagte DFB- Teammanager Oliver Bierhoff.

Am 8. Juni startet Deutschland in die EM

Aus dem relativ weit entfernten und frühzeitig gebuchten EM-Quartier im Schweizer Kanton Tessin stehen allerdings zu den Spielorten in Wien und Klagenfurt weite Reisen an. Im für die EM neu gebauten Wörtherseestadion von Klagenfurt beginnt für Deutschland am 8. Juni (20:45 Uhr) gegen Polen das Unternehmen EM-Titelgewinn, für den der DFB bis zu 23 Millionen Euro Prämien einstreichen würde. Am 12. Juni (18 Uhr) kommt es in der nur 30.000 Zuschauer fassenden Arena zum nächsten Vorrundenspiel gegen Kroatien.

Österreich ist am 16. Juni (20:45 Uhr) im Wiener Ernst-Happel- Stadion der letzte Gruppengegner. Erstmals seit dem als "Schande von Gijon" in die Geschichte eingegangenen 1:0-Erfolg bei der WM 1982 ist das Nachbarland wieder Kontrahent bei einem großen Turnier - und das wieder im letzten Gruppenspiel. In Österreich erinnert man sich noch heute zu gerne an das denkwürdige WM-Spiel 1978 in Cordoba (2:3).

Auch die beiden anderen Gegner rufen beim DFB-Team Erinnerungen wach. Gegen Polen begann das Sommermärchen 2006 mit dem späten 1:0- Siegtreffer von Oliver Neuville in Dortmund erst richtig. Mit Kroatien ist seit dem WM-Aus im Viertelfinale 1998 in Lyon (0:3) noch eine Rechnung offen. Auf dem Weg zum letzten EM-Triumph 1996 wurden die Kroaten allerdings mit 2:1 im Viertelfinale ausgeschaltet.

Schweiz gegen Tschechien zum Auftakt

Angesichts der relativ kleinen Stolpersteine sollte Deutschland erstmals seit dem dritten EM-Titelgewinn vor elf Jahren wieder die Vorrunde überstehen können. Ein Blick voraus verrät den möglichen Weg zum Finale am 29. Juni in Wien: Im Viertelfinale in Wien (als Gruppenerster) oder in Basel (als Gruppenzweiter) käme der Gegner aus der Schweiz, Tschechien, Portugal oder der Türkei. Diese Teams bilden die Gruppe A, in der Co-Gastgeber Schweiz und der deutsche Qualifikationsgegner Tschechien am 7. Juni (18 Uhr) das Eröffnungsspiel bestreiten. Im folgenden Halbfinale (26. Juni) in Basel wäre dann wieder ein Vorrundengegner oder eine Mannschaft aus der Gruppe A der Kontrahent.

Trotz des EM-Duells mit Österreich wird Löw an dem geplanten Testspiel gegen das Gastgeberland am 6. Februar in Wien festhalten. Vor der unmittelbaren Turniervorbereitung steht nur noch ein weiterer Test am 26. März in der Schweiz an. Am 19. Mai 2008 wird Löw seine 23 EM-Fahrer zwei Tage nach dem Bundesliga-Finale versammeln und mit ihnen zum gemeinsamen Trainingslager nach Mallorca aufbrechen.

Bis zum EM-Start sind dann nochmals zwei Testspiele geplant, für die Bierhoff nun die Gegner aussuchen kann. "Die Trainer haben schon ein erstes Profil erstellt", sagte Bierhoff. "Wir spielen eher nicht gegen EM-Teilnehmer", sagte Löw. Spätestens am 3. Juni muss der DFB-Tross nach den UEFA-Regularien in seinem EM-Quartier im Hotel Giardino im Schweizer Kanton Tessin am Lago Maggiore eintreffen. (küs/dpa)

Die Gruppen der  Fußball-Europameisterschaft:

Gruppe A: A1: Schweiz A2: Tschechien A3: Portugal A4: Türkei

Gruppe B: B1: Österreich B2: Kroatien B3: Deutschland B4: Polen

Gruppe C: C1: Niederlande C2: Italien C3: Rumänien C4: Frankreich

Gruppe D: D1: Griechenland D2: Schweden D3: Spanien D4: Russland 


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