Fußball-EM der Frauen : In Österreich schlägt Patriotismus Sexismus

Vielleicht können Österreichs Fußballerinnen bei der EM in den Niederlanden noch mehr erreichen als die puren Erfolge auf dem Platz. Ein Kommentar.

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So kann es weitergehen. Die Österreicherinnen spielen am Donnerstag im Halbfinale. Foto: Hans Punz/APA/dpa
So kann es weitergehen. Die Österreicherinnen spielen am Donnerstag im Halbfinale.Foto: Hans Punz/APA/dpa

Von „großen Töchtern“ wollte Andreas Gabalier bis jetzt jetzt noch nicht singen. Der Volksbarde hat sich fünf Jahre lang mannhaft geweigert, den geschlechtergerecht geänderten Passus der österreichischen Nationalhymne („Heimat großer Töchter und Söhne“) bei seinen Auftritten vorzutragen. In den Tagen des österreichischen Triumphs bei der Fußball-EM der Frauen schwenkt aber auch Gabalier um und hat per Facebook seine Liebe zu den Töchtern der Nation erklärt.

Sein Einknicken offenbart das Dilemma, in dem das Macholand Österreich ob des starken Auftritts seiner Nationalspielerinnen steckt. In der Republik gieren sie seit 1954, seit die Männer das WM-Halbfinale erreichten, nach internationaler Anerkennung im Fußball. Aber Erfolg durch Frauen? Geht das? Die durften doch noch bis 1982 nicht einmal Fußball spielen im Verein.

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EM-Halbfinale: Österreicherinnen 'schwimmen auf einer Welle'
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Die omnipräsente Rechte im Land, die nicht nur aus FPÖ-Wählern besteht, ist gefangen in einem Dilemma: Patriotismus oder Sexismus, was ist wichtiger?

Kommen sie ins Finale, stehen die Frauen vor einem Quotensieg

Sollten die Österreicherinnen am Donnerstag auch noch das Halbfinale gegen die Däninnen überstehen, dann würde es noch enger werden für den zweitklassigen Männerfußball: Ein Qualifikationsspiel zur Champions League von RB Salzburg wurde wegen der Liveübertragung des letzten österreichischen Gruppenspiels vergangene Woche vorverlegt. Zum EM-Finale läuft am Sonntag parallel das das Wiener Männer-Derby zwischen Rapid und Austria. Der ORF hat angekündigt, im Falle des Finaleinzugs der Frauen beide Spiele live zu zeigen – es würde auf einen klaren Quotensieg der Frauen hinauslaufen. Schon gegen Spanien schauten 1,2 Millionen Menschen zu, also fast siebte Einwohner der Republik.

Vielleicht können Österreichs Fußballerinnen noch mehr erreichen als die puren Erfolge auf dem Platz. Es wäre doch schön, wenn der Fußball spielerisch einen gesellschaftlichen Prozess in Gang setzt, der mehr wert ist als jedes Spiel.

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