Sport : Fußball-EM der Frauen: Und Müller staubt ab

Helen Ruwald

Nicht einmal ein eigener Stuhl war der zweifachen Torschützin vergönnt. Claudia Müller kam nach dem 3:1 (1:1) der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft im ersten EM-Spiel gegen Schweden etwas später zur Pressekonferenz - und fand keinen Platz mehr auf dem Podium. Maren Meinert, die das 3:1 schoss und als beste Spielerin ausgezeichnet wurde, rutschte ein Stück zur Seite, und so quetschten sich die beiden Torschützinnen für ein paar Minuten auf einen Stuhl. Claudia Müller vom VfL Wolfsburg/Wendschott ließ sich nicht irritieren und erzählte munter drauf los. Zwei Tore seien ihr schon irgendwann mal gelungen, "1999 in Dessau, ich weiß nicht gegen wen, in Cottbus war es, nein, irgendwo an der Grenze war es." Als sie mit ihrem Namensvetter, dem dicklichen Gerd Müller verglichen wurde, sagte DFB-Pressesprecher Michael Nowak: "Ich bin froh, dass sie nicht die Figur von Gerd Müller hat." Claudia Müller entgegnete: "Ich auch." Und hatte die Lacher auf ihrer Seite.

Der Spielort von gestern, das Erfurter Steigerwaldstadion, wird ihr wohl nicht so schnell entfallen. Viele der 10 252 Zuschauer tanzten schon bei der Eröffnungsfeier auf der Tribüne. Sie pfiffen den DFB-Präsidenten Gerhard Meyer-Vorfelder aus und klatschten, als der Präsident des schwedischen Fußballverbandes vorgestellt wurde. Später bejubelten sie alles: Angriffe, Torschüsse, Abwehraktionen einer starken deutschen Elf - und natürlich die Treffer. "Als ich am Freitag das erste Mal im Stadion war, habe ich gedacht, oh Gott, ist das groß. Wer soll denn da alles kommen", erinnert sich Claudia Müller, "aber es war gut gefüllt."

"Die vielen Zuschauer haben dem Team Selbstvertrauen gegeben", sagte Bundestrainerin Tina Theune-Meyer. Das hatte es auch nötig, denn in der 14. Minute hatte Hanna Ljungberg die Schwedinnen in Führung geschossen. Doch es dauerte, bis der amtierende Europameister und Olympiadritte Deutschland für sein schönes Kombinationsspiel belohnt wurde. In der 42. Minute brachte Claudia Müller den Ball zum erstenmal über die Linie. Mitte der zweiten Halbzeit sollte sie ausgewechselt werden, Sandra Smisek stand schon an der Seitenlinie bereit. Da machte Müller nach Vorarbeit von Pia Wunderlich noch schnell in der 65. Minute Tor Nummer zwei, indem sie sich gegen ihre Gegenspielerin durchsetzte und den Ball ins leere Tor schoss. Dann musste sie raus.

Den Schlusspunkt setzte Maren Meinert mit einem Distanzschuss, später hatten die Deutschen noch Pech, als der Ball von der Unterkante der Latte abprallte und zurück ins Feld sprang. Glück hatten sie hingegen beim Stand von 1:1, als Doris Fitschen Torschützin Ljungberg im Strafraum foulte und der Elfmeterpfiff ausblieb. "Ich habe sie umgehauen", gab die Spielführerin später zu. Mit einem Strafstoß hätte die Partie zugunsten der Schwedinnen kippen können, doch so sicherten sich die Deutschen in einem guten Spiel drei Punkte. Der erste Schritt auf dem Weg zum Gruppensieg und dem Einzug ins Halbfinale ist getan. Nächster Gegner am Mittwoch ist Russland.

Bis dahin ist auch Zeit zum Waschen der durchgeschwitzten Trikots. Als eine Journalistin Fitschen um ein Trikot für ein Gewinnspiel bat, lehnte die Rekordnationalspielerin ab: "Die Trikots sind gerade erst aus Asien eingeflogen worden. Ich habe nur eins. Aber vielleicht spielen wir auch in grün, ein grünes Trikot habe ich noch." Und verkniff sich nicht den Nachsatz: "Dass wir die EM spielen, ist ja gerade erst bekannt geworden."

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