Fußball-EM : Fragezeichen hinter Frings und Metzelder

Knapp drei Monate vor der Fußball-EM sorgt sich Joachim Löw nicht so sehr um die Turnier-Form von Bankhocker Jens Lehmann - die größten Sorgenkinder des Bundestrainers heißen Torsten Frings und Christoph Metzelder.

Klaus Bergmann[dpa]
Löw
Bundestrainer Jogi Löw -Foto: ddp

Wien Im Endspiel-Stadion von Wien warf Löw am Mittwoch beim EM-Workshop der 16 teilnehmenden Nationen selbst die bange Frage auf, ob die beiden Stammkräfte nach ihren langwierigen Verletzungen den Wettlauf mit der Zeit bis zum Ernstfall am 8. Juni gegen den ersten Gruppengegner Polen gewinnen werden. Die Fitness der Leistungsträger könnte das gesamte Unternehmen Titelgewinn gefährden. "Das Wichtigste ist, dass wir in der Vorbereitung vom ersten Tag an konzentriert arbeiten und alle Spieler verletzungsfrei anreisen. Dann werden wir sicherlich eine gute Mannschaft haben", erklärte Löw.

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Jürgen Klinsmann, der vor der WM 2006 den Workshop der Nationaltrainer in Düsseldorf geschwänzt hatte und dafür von WM-Chef Franz Beckenbauer scharf gerügt worden war, war Löw nach Wien gekommen. "Franz Beckenbauer hat mich praktisch gezwungen, hierher zu kommen", scherzte der 48-Jährige. Der Nutzen der zweitägigen Zusammenkunft sei aber begrenzt, so Löw: "Es werden ein paar organisatorische Dinge abgesprochen - das war's."

Blutdoping-Tests bei der EM

Die Europäische Fußball-Union (Uefa) nutzte den Workshop zur öffentlichkeitswirksamen Unterzeichnung einer Antidoping-Charta durch die 16 EM-Teilnehmer. Vor und während des Turniers sollen 300 Kontrollen durchgeführt werden, erstmals wird es bei einer EM Bluttests geben. "Wir sehen dem ganz gelassen entgegen, weil es bei uns nichts zu verbergen gibt", kommentierte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. Uefa-Präsident Michael Platini ist überzeugt, dass es "organisiertes Doping im Fußball nicht gibt".

Löw hat aktuell andere Sorgen. Die heftig diskutierte Frage nach den drei EM-Torhütern, für die ältere Semester wie Oliver Kahn (FC Bayern) oder HSV-Schlussmann Frank Rost in Löws Planungen keine Rolle spielen, "bedrückt mich im Moment wenig". Ihn besorgen vielmehr die Langzeitverletzten Metzelder und Frings, bei denen man viel Geduld aufbringen müsse: "Sie sind auf einem ordentlichen Weg, aber ob sie es wirklich schaffen, bei der EM in einer Top-Verfassung zu sein, muss man abwarten." Man müsse Geduld haben und könne nur hoffen, "dass sie demnächst wieder in den Spielrhythmus einsteigen".

Metzelder auf Reals schwarzer Liste

Der seit Saisonbeginn schon drei Mal am rechten Knie verletzte Mittelfeldspieler Frings hat ebenso wie Abwehrchef Metzelder, der im Februar an der Fußsohle operiert wurde, im EM-Jahr keine Minute gespielt. Hinzu kommt, dass Metzelder nach seiner Genesung bei Real Madrid die Ersatzbank droht. Nach Medienberichten aus Spanien soll der ehemalige Dortmunder sogar zum Saisonende ausgemustert werden. Löw nannte das "Spekulationen", für die es keinerlei Beleg gebe. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Real so reagiert."

Beim letzten Länderspiel vor der Nominierung des 23-köpfigen EM-Kaders am 16. Mai werden Metzelder und Frings erneut fehlen. Dafür darf sich Arsenal-Reservist Lehmann in zwei Wochen gegen die Schweiz beweisen. Löw erwartet, dass der 38-Jährige die Diskussionen um seinen Nummer-1-Status mit einer Top-Leistung am 26. März in Basel beendet. "Wir werden ihn nicht aufgrund des Österreich-Spiels in Frage stellen. Er hat da nicht sein bestes Spiel gemacht, aber zweieinhalb Jahre hat er immer überzeugende Leistungen gebracht. Gegen die Schweiz wird Jens Lehmann spielen, alles andere wird man danach sehen."

Löw begrüßt Hitzfelds Rotation

Trotz der Sorgen um Frings wird auch der Dortmunder WM-Teilnehmer Sebastian Kehl keine Einladung nach Basel erhalten. "Er ist aber nicht angeschrieben für die EM", betonte Löw.

Erfreulich aus Sicht des Bundestrainers ist, dass die gegen Österreich debütierenden Jermaine Jones und Heiko Westermann mit dem FC Schalke weitere internationale Erfahrung in der Champions League sammeln können. Zudem dankte Löw Trainer-Kollege Ottmar Hitzfeld dafür, dass er fest eingeplanten EM-Kandidaten wie Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger und Marcell Jansen Spielpraxis verschafft. "Es ist in meinem Interesse, dass bei Bayern so rotiert wird." (ae/dpa)

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