Fußball-EM : Österreich wartet auf sein Wunderteam

Österreich setzt große Hoffnungen in seine Elf – und ist bei der EM bisher bitter enttäuscht worden.

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Er war’s! Die portugiesischen Abwehrspieler Ricardo Carvalho und Pepe (r.).
Er war’s! Die portugiesischen Abwehrspieler Ricardo Carvalho und Pepe (r.).Foto: AFP

Alessandro Schöpf ist am Samstag ein bisschen berühmt geworden. Nicht weil er ein Tor geschossen oder eines verhindert hat, er ist nicht weiter aufgefallen bei seinem halbstündigen Einsatz für die österreichische Mannschaft gegen Portugal. Aber Schöpf war der Mann, für den David Alaba Platz machen musste, Österreichs Fußballer des Jahres, ununterbrochen gewählt seit 2011. Das hat schon einiges Aufsehen provoziert, denn Alaba wird in der Nationalmannschaft für gewöhnlich so häufig ausgewechselt wie Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi, nämlich gar nicht. Die Dinge müssen schlecht stehen.

Alabas Mitstreiter Stefan Ilsanker sprach später: „Ich verstehe das ganze Getue und die Kritik nicht. David hat uns mit seinen Toren überhaupt erst nach Frankreich gebracht.“ Aber da sie nun mal da sind, wollen sie schon mehr, als nur dabei sein. Das Achtelfinale muss es schon sein, und dafür braucht es unbedingt einen Sieg am Mittwoch im finalen Vorrundenspiel der Gruppe F im Stade de France von Saint-Denis gegen Island.

Österreich steht sinnbildlich für diese Europameisterschaft. Für die hohen Erwartungen und die bescheidene Wirklichkeit, aber auch für die Hoffnung, es könne doch noch besser werden. Eine Mannschaft und ein Turnier suchen nach Balance. Daheim in Wien haben sie ihren Fußball immer offensiv interpretiert, als Kunstwerk, bei dem das ästhetische Vergnügen nicht zu kurz kommen darf. Jede österreichische Nationalmannschaft wird an der glanzvollen Vergangenheit gemessen. Ihre große Mannschaft der frühen dreißiger Jahre nannten die Österreicher ganz unbescheiden „Wunderteam“ – welchen Namen wird wohl die von 2016 einmal tragen?

Was ist bloß los mit David Alaba?

Die Nation setzt große Hoffnungen in diese Generation, in Spieler wie David Alaba, Zlatko Junuzovic oder Marko Arnautovic, die eine beeindruckende Qualifikationskampagne gespielt und Österreich nach langen Jahren des Mittelmaßes wieder einen Platz auf der internationalen Bühne beschert haben.

Aber so, wie die EM bisher auf und neben dem Platz viele Wünsche offen lässt, bleibt auch die österreichische Mannschaft weit hinter den Erwartungen zurück. In zwei Spielen hat sie noch kein Tor geschossen. Gegen Portugal reichte es nur deshalb zu einem 0:0, weil Cristiano Ronaldo einen Elfmeter gegen den Pfosten schoss, der Weltstar ohnehin keinen besonders guten Tag hatte und Robert Almer den wahrscheinlich besten seiner Karriere. In Wien haben sie sich gefreut über ihren Torhüter, der in Hannover, Cottbus und Düsseldorf sehr verlässlich die Ersatzbank warmgehalten hatte. Und sich doch gefragt, wo denn die Künstler waren, die das Ansehen des Landes mehren sollten.

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Was ist bloß los mit David Alaba? Österreichs überragende Spielerpersönlichkeit wirkt überfordert mit der Aufgabe, das Spiel der Nationalmannschaft so effizient und elegant zu organisieren, wie er im Alltag dem FC Bayern München als linker Verteidiger dient. Gegen Island wird er wieder in der Startelf stehen, vielleicht auch Junuzovic, der sich mit einer gegen Ungarn erlittenen Verletzung plagt. „Gegen Portugal haben wir gezeigt, dass wir defensiv stark sind, gegen Island müssen wir zeigen, dass wir auch offensiv gut sind“, sagt der Flügelspieler Marko Arnautovic von Stoke City. Er wollte sich bei der EM eigentlich für einen großen Klub empfehlen. Auch Arnautovic zählt zu österreichischen Versprechen, die in Frankreich noch auf ihre Einlösung warten.

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