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Der deutsche Spielort Lemberg : Weltoffene Partisanen

09.06.2012 00:00 Uhrvon
Verwinkelt und denkmalgeschützt. Foto: dapdBild vergrößern
Verwinkelt und denkmalgeschützt. - Foto: dapd

In Lemberg kann man sich vor hilfsbereiten Volunteers kaum retten. Die Stadt, in der die Deutsche Nationalmannschaft im ersten Spiel auf Portugal trifft, zeigt sich tolerant, rechte Folklore gibt es trotzdem.

Die Frau vom Fernsehen will wissen, was die deutschen Fans so trinken. Hmm, Bier, was sonst? Die Frau vom Fernsehen ist ein bisschen enttäuscht, denn Bier gibt es doch auch überall sonst auf der Welt, „aber unser Kaffee ...“ Der beste der Welt! Schwören sie in Lemberg, na ja, vielleicht nach Wien, aber die Österreicher sind bei der EM bekanntlich verhindert und können deswegen nicht protestieren.

Heute kommen die Deutschen nach Lemberg, das macht hier keinen großen Unterschied zu den Österreichern, denen sich die Galizier im äußersten Westen der Ukraine aus alten k.u.k. Zeiten immer noch verbunden fühlen. Auf dem Swobody Prospekt, dem Freiheitsboulevard, proben sie schon mal ein bisschen für die Europameisterschaft.

Links das Militär, rechts das Volk, auffällig viele Frauen, auffällig viele tragen das blonde Haar zu Zöpfen geflochten, wie es die hierzulande berühmteste Ukrainerin zu tragen pflegt. Auffällig ist außerdem, dass die jungen Leute alle T-Shirts tragen in einem Gelbton, der leicht ins Orange abdriftet, ein Mädchen hat sich die Fingernägel in der Revolutionsfarbe lackiert.

Nein, nein, kein politisches Statement, sagt Melania, sie ist 16 Jahre alt und verdingt sich als eine von knapp 1000 freiwilligen Helferinnen, die im Auftrag der Stadt durch die verwinkelten Straßen wuseln. Es ist schwer, den Lemberger Volunteers zu entkommen. Wer eine Sekunde zu lang und einen Hauch zu unentschlossen auf eines der vielen schönen alten Gebäude in der denkmalgeschützten Altstadt schaut, hat sofort zwei, drei der gelb-orangen Menschen an seiner Seite. Kann ich Ihnen helfen? Wo wollen Sie hin? Soll ich etwas übersetzen? Und wer nicht schnell genug weg ist, wird gleich weitergeleitet zum Interview mit der Frau vom Fernsehen.

Hier trägt auch die Antike Fankluft. Foto: dpaBild vergrößern
Hier trägt auch die Antike Fankluft. - Foto: dpa

Für die Fanzone haben die Lemberger wie selbstverständlich ihren Prachtboulevard frei geräumt. Das Fußballvolk feiert auf dem Swobody Prospekt, zwischen Oper und Grand Hotels, deren Gäste sich wundern werden über den Lärm, den die der Kaffeehaustradition eher ratlos gegenüberstehenden Fremden so anrichten können. Das Los hat es gut mit den netten Lembergern gemeint – und die zahlungskräftige Kundschaft aus Deutschland, Holland, Portugal und Dänemark vorbeigeschickt. Melania sagt, es sei ein Segen, dass die Deutschen nach Lemberg kommen. Melania will in Freiburg studieren und freut sich darauf, ihre Sprachkenntnisse am lebenden Objekt zu verbessern.

Ohnehin sehen sie sich in Lemberg gern in der kaiserlich-königlichen Tradition und stören sich überhaupt nicht daran, wenn deutsche Touristen statt des für ihre Zungen komplizierten Namens Lwiw eben von Lemberg sprechen. „Das ist unsere Geschichte, darauf sind wir stolz“, sagt der Bürgermeister Andriy Iwanowitsch Sadovyi. Ein unauffälliger und doch volkstümlicher Mann, auch die Volunteers dürfen ihn mit Andriy Iwanowitsch anreden. Für drei EM-Vorrundenspiele hat seine Verwaltung einen neuen Flughafen und ein neues Stadion bauen lassen. Die vier historischen Statuen rund um das Rathaus tragen blau-gelbe Leibchen. Ein bisschen Lokalpatriotismus muss schon sein, auch wenn die ukrainische Mannschaft weit weg in Kiew und Donezk spielt.

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