Nationalspieler Sami Khedira im Interview : "Wir müssen die Chance jetzt nutzen"
20.06.2012 12:53 UhrHerr Khedira, hat sich Bastian Schweinsteiger schon bei Ihnen bedankt?
Warum soll er sich bedankt haben?
Weil Sie ihn ein bisschen ins Turnier hineingezogen haben?
Dafür muss sich niemand bedanken. Ich habe einfach versucht, das Beste für die Mannschaft zu geben – nicht für Bastian. Außerdem ist das doch das perfekte Spiel. Wenn einer von uns mal einen nicht so guten Tag erwischt, reißt eben der Nebenmann den anderen mit. Es gibt solche Tage, wo einem der Ball mal verspringt oder ein Pass nicht ankommt.
Das passiert auch Weltklasseleuten, das passiert auch mir. Dann tragen meine Mitspieler mich halt irgendwie mit.
Spürt man es, wenn der Kollege Hilfe braucht?
Natürlich. Man sagt ja nicht: Mach bitte mal ein bisschen mehr! Ich fühl mich heute nicht so gut. Aber das ist auch eine Frage der Erfahrung. Ich glaube, dass ich in den vergangenen Jahren ein besseres Gespür dafür bekommen habe, wann ich mehr machen und wann ich vielleicht im Hintergrund arbeiten muss. Mittlerweile finde ich da eine sehr gute Abstimmung.
Bei Real Madrid nehmen Sie eine entschieden defensive Rolle ein. Bei den EM-Spielen gegen Portugal und Dänemark hatte man das Gefühl, Sie hätten es richtig genossen, dass Sie endlich mal die Fesseln lösen durften.
Gegen Dänemark konnte und musste ich offensiver spielen, weil Bastian in der zweiten Halbzeit den defensiveren Part übernommen hat. Und gegen Portugal war es einfach notwendig, dass ich mich in die Offensive einschalte. Wir hatten bis zur 70. Minute noch kein Tor geschossen und wollten unbedingt gewinnen. Da kann ich ja nicht stur hinten bleiben. Wenn wir bei Real ein Tor brauchen, habe ich auch meine Offensivaktionen. Gegen Holland war das nach dem 2:0 anders. Da habe ich versucht, das Spiel noch mehr zu stabilisieren.
Bildergalerie: Die deutschen Spieler in der Einzelkritik
Sie kommen in der Öffentlichkeit oft als der klassische Sechser rüber, der auf die Defensive festgelegt ist – während bei anderen eher die fußballerische Komponente hervorgehoben wird. Nervt Sie diese Diskussion?
Das nervt mich nicht. Aber irgendwann ist man es einfach leid, wenn es immer so dargestellt wird, dass ich nicht Fußball spielen kann, sondern nur der Zerstörer bin. Wenn das so wäre, würde ich hier bei der Nationalmannschaft keine große Rolle spielen. Sie können ja mal mit Joachim Löw oder José Mourinho sprechen. Sie werden Ihnen deutlich sagen, was meine Aufgabe ist.






















