Fußball : England verliert nicht nur ein Spiel

Das 0:1 im Khalifa-Stadion blieb dabei nicht die einzige Niederlage am Persischen Golf. Der Versuch des Verbandes, den Trip nach Katar zur Werbung für die Kandidatur zur WM 2018 zu nutzen, wurde zu einem gescheiterten Versuch.

Raphael Honigstein[Doha]

Die Lichterschau im Khalifa-Stadion war zweifelsohne imposant. Leider stand für England danach aber noch ein Fußballspiel auf dem Programm. Mit dem Resthäufchen Stammspieler, das es überhaupt fit in die Kieswüste von Katar geschafft hatte, wäre vielleicht ein vernünftiges Testspiel gegen Brasilien möglich gewesen, das zu Werbezwecken für die Englands Kandidatur für die WM 2018 im sportpolitisch einflussreichen Emirat stattfand. Als nach und nach aber auch noch John Terry, Frank Lampard und Michael Carrick ausfielen, musste Nationaltrainer Fabio Capello Spieler auf den Rasen schicken, deren Namen und Einstellung auf eine mittelschwere Abreibung hindeuteten.

Die Engländer waren am Samstagabend buchstäblich chancenlos, das Spiel endete 0:1(0:0) durch ein Tor des Brasilianers Nilmar kurz nach der Pause. Dabei hatten die Engländer noch Glück, dass ein katarischer Referee mit ungewöhnlicher Regelauslegung den müden Kick leitete: Abdulrahman Abdou zückte nur die Gelbe Karte, als Torwart Ben Foster Nilmar nach einem aberwitzigen Fehler von Wes Brown von den Beinen holte. Luis Fabiano schoss jedoch lässig über den Kasten. Ex-Bayer Lucio traf noch mit einem Gewaltschuss den Pfosten, ansonsten begnügten sich die Brasilianer unter Leitung von Carlos Dunga damit, hübsch unter sich zu spielen. Die Männer in Weiß wurden nicht ernst genommen. England war so schwach, dass der „Observer“ eine Kriegslist mit Hinblick auf die Weltmeisterschaft vermutete. „Man schickt das Kanonenfutter vor, um die wahre Stärke des Gegners auszukundschaften. Gute Taktik“, witzelte das Blatt.

Die Unzulänglichkeit von Spielern wie Brown, Darren Bent oder Jermain Jenas auf diesem Niveau wird Nationaltrainer Fabio Capello kaum überrascht haben. Allein Ersatzkapitän Wayne Rooney wetzte vor dem seltsam unbeteiligten Publikum unermüdlich, aber ohne echten Plan umher. Dafür bekam er am Ende von einem freundlichen Scheich ein goldenes Segelboot überreicht.

Das 0:1 im Khalifa-Stadion blieb dabei nicht die einzige Niederlage am Persischen Golf. Der Versuch des Verbandes, den Trip nach Katar zur Werbung für die Kandidatur zur WM 2018 zu nutzen, wurde zu einem gescheiterten Versuch. Als „eine Mischung aus Führungsschwäche, Selbstüberschätzung und Inkompetenz“, bezeichnete ein der Veranstaltung nahestehender Insider das Gebaren der Football Association.

Man bestand beispielsweise (vergeblich) darauf, vor dem Super-Vip-Terminal des katarischen Innenministeriums landen zu dürfen. Die ganz normale Sonderbehandlung erschien den Gästen von der Insel im Gegensatz zu den genügsamen Brasilianern nicht gut genug. Der in den internationalen Korridoren der Macht unerfahrene Verbandschef Lord Triesman hat durch viele kleine Fehler den Vorsprung auf Konkurrenten wie Russland oder Australien eingebüßt.

In seiner Not verkündete der 66-Jährige im prunkvoll-schwülstigen Ritz-Carlton-Hotel, den letzten verbleibenden Trumpf auszuspielen: David Beckham wird vor der Gruppen-Auslosung in Südafrika am 4. Dezember mit dem Privatjet einfliegen und viele Hände schütteln. Der 34-Jährige muss dabei sogar einen Teil der Kosten von etwa 110 000 Euro selbst berappen, denn der Verband ist unfortunately knapp bei Kasse: die Bewerbung ist unzureichend mit Regierung und Industrie abgestimmt.

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