Fußball : Ex-Herthaner Simunic gibt Depressionen zu

Kaum ein Profi wagte es bisher, über Depressionen zu sprechen. Nun, nach dem Tod von Robert Enke, hat Josip Simunic eingeräumt, an der Krankheit gelitten zu haben.

Abwehrspieler Josip Simunic vom Fußball-Bundesligisten 1899 Hoffenheim hat in seiner Profikarriere mit Depressionen zu kämpfen gehabt. "Ich wollte mit Fußball aufhören. Ich war stark depressiv, körperlich am Ende. Zum Teil habe ich sieben Tage am Stück keine Minute geschlafen", sagte der kroatische Nationalspieler in der Sport Bild über seine Zeit beim Hamburger SV und bei Hertha BSC.

Simunic sprach nicht darüber, wie es ihm heute geht, forderte aber mehr Menschlichkeit im Umgang miteinander: "Jeder sollte kapieren, dass auch wir Sportler Menschen aus Fleisch und Blut sind. Und dass auch wir Schwächen haben."

Sein früherer Mentaltrainer bei Hertha BSC, Gerd Driehorst, sagte der Sport Bild: "Er hatte jeden Tag Versagensängste und Selbstzweifel. Ein Fehlpass im Training reichte und er war am Boden zerstört, hat alles infrage gestellt. Er hat sich selbst zerfleischt." Nach Angaben von Driehorst hat der 31-Jährige 2001 gesagt, in sechs Jahren spiele er definitiv kein Fußball mehr. "Jetzt tut er es doch. Und das als zweimaliger WM- und EM- Teilnehmer nicht ganz unerfolgreich."

Simunic ist der erste derzeit noch aktive Bundesliga-Spieler, der öffentlich macht, dass er unter Depressionen gelitten hat. Ex-Bayer-Profi Sebastian Deisler galt vor dem Selbstmord von Hannovers Nationaltorwart Robert Enke vergangene Woche als prominentester Fall im Profigeschäft. Auch der frühere Münchner Michael Sternkopf hat jetzt bekannt, dass er eineinhalb Jahre Psychopharmaka genommen hatte.

Einer Studie am Institut für Sportwissenschaft der Universität zufolge fühlt sich jeder zweite befragte Leistungssportler durch die extremen Anforderungen immer wieder ausgebrannt und kraftlos. Fast ein Drittel der befragten Sportler leide an Schlafstörungen, jeder fünfte klage sogar über gelegentliche Depressionen.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa

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