Fußball : Fandel leitet Champions-League-Finale

Die Nicht-Berücksichtigung für die WM im eigenen Land war für ihn der Tiefpunkt. Nun steht Schiedsrichter Herbert Fandel vor der Krönung seiner sportlichen Laufbahn.

Frankfurt/Main - Der 43-jährige Herbert Fandel aus Kyllburg wird am Mittwoch in Athen als zweiter deutscher Schiedsrichter nach Markus Merk (2003) ein Finale um die Champions League pfeifen. Am Montagmorgen um Punkt acht Uhr wurde Fandel von der Europäischen Fußball-Union (Uefa) per E-Mail darüber informiert, dass er die Partie zwischen dem AC Mailand und dem FC Liverpool leiten soll. "Ich habe gedacht: Das ist ein Ding. Für mich ist das ein Traum seit meiner Kindheit und der absolute Höhepunkt meiner Karriere. Ich empfinde die Nominierung als große Ehre und als Riesenkompliment an die deutschen Schiedsrichter", sagte Fandel.

Als Fandels Assistenten werden Carsten Kadach (Suderburg) und Volker Wezel (Tübingen) zum Einsatz kommen. Vierter Offizieller ist Florian Meyer (Burgdorf). Im Vorjahr hatte Fandel bereits das Uefa-Pokal-Endspiel zwischen dem FC Sevilla und dem FC Middlesborough (4:0) geleitet. Kurz zuvor hatte er die größte Enttäuschung seiner Schiedsrichter-Laufbahn erlebt, als er vom Weltverband Fifa aus dem Kandidatenkreis für die Weltmeisterschaft gestrichen wurde. "Das war ein bitterer Moment. Jetzt empfinde ich innerliche Freude und Genugtuung, dass ich innerhalb von zwölf Monaten zwei europäische Endspiele pfeife. Das zeigt, was man erreichen kann, wenn man seinen Weg kontinuierlich beschreitet", erklärte Fandel.

"Ich bin stolz und hoffe auf eine Portion Glück"

Sein erstes Fußballspiel pfiff der Pianist, der im Hauptberuf eine Musikschule leitet, im Alter von 12 Jahren. "Bei einem Juniorenspiel kam kein Schiedsrichter, da hat mir mein Vater einfach die Pfeife in die Hand gedrückt. Ich hatte noch gar keine Prüfung abgelegt", berichtete Fandel von den Anfängen. Seit 1989 ist er DFB-Schiedsrichter, seine Premiere in der Bundesliga feierte er 1996. Zwei Jahre später wurde der Vater von zwei Kindern zum Fifa-Referee ernannt. Fandel kam unter anderem bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney und beim Confederations Cup 2005 in Deutschland zum Einsatz. Er hat bisher 208 Bundesliga-, 39 Europapokal- und 20 Länderspiele geleitet. 2001 und 2005 wurde er in Deutschland zum "Schiedsrichter des Jahres" gekürt.

Die brisante Partie in Athen, bei der Mailand Revanche für die Niederlage vor zwei Jahren nehmen will, ist sein erster Einsatz in Griechenland. "Von der Atmosphäre her ist das aber nicht anders als in Portugal, auf Schalke oder in Dortmund", meinte Fandel. Er blickt der Aufgabe daher mit Freude entgegen: "Das ist das größte Club-Spiel in Europa. Ich bin stolz und hoffe auf eine Portion Glück. Das gehört nämlich dazu." (Von Eric Dobias, dpa)

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