Fußball-Finale : Brasilien: Gold für den Mythos

Während Favorit Spanien schwächelte, schossen sich die brasilianischen Fußballer durchs Turnier. Doch die Südamerikaner benötigen den Sieg im Olympia-Finale gegen Mexiko, um wieder alte Strahlkraft zu erlangen.

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Mit Himmels Willen. Die Brasilianer Leandro Damaio (l.) und seine Mannschaftskollegen spielen gegen Mexico um Gold.
Mit Himmels Willen. Die Brasilianer Leandro Damaio (l.) und seine Mannschaftskollegen spielen gegen Mexico um Gold.Foto: Reuters

Die Pflicht war erst seit wenigen Augenblicken erledigt, da trat Leandro Damiao vor die Mikrofone der wartenden Reporter. Mit seinen Turniertoren fünf und sechs hatte Brasiliens Stürmer dafür gesorgt, dass seine Mannschaft im Halbfinale des olympischen Fußballturniers zu einem lockeren 3:0-Sieg gegen Südkorea kam und heute im Endspiel auf Mexiko trifft (16 Uhr).

Damiao wirkte emotional so berührt wie ein Metzger beim Entbeinen eines Hühnchens, als er mit fester Stimme über das soeben Erreichte sprach. „Wir sind Brasilien. Wir sind hier für die Goldmedaille.“ Sprich, alles andere als der Finaleinzug wäre eine große Enttäuschung gewesen.

Nach eigenem Selbstverständnis ist Brasilien immer noch die große Fußballmacht, die bei jedem Turnier, an dem sie teilnimmt, automatisch der Topfavorit ist. Der Rekordchampion, der mit fünf Titeln bei Weltmeisterschaften so viele Siege wie keine andere Nation vorweisen kann. Nicht nur in Brasilien ist die „Selecao“, die Auswahl mit den gelben Hemden und den blauen Hosen ein Mythos.

In jüngerer Vergangenheit hat der Mythos aber an Strahlkraft verloren. Seit 2002 wartet Brasilien auf seinen sechsten WM-Titel, Spaniens Kurzpassmaschine hat Brasiliens Zauberfußballern den Rang abgelaufen. Jedenfalls für den Moment. Allein aus diesem Grund wäre der Gewinn der Goldmedaille sehr wichtig. In London schied Spanien schon nach der Vorrunde aus – ohne nur ein Tor erzielt zu haben. Hinter Japan, Honduras und Marokko wurden die Südeuropäer Letzter. Vor dem Turnier hatten viele Fans auf ein Finale zwischen Spanien und Brasilien gehofft, auch wenn bei Olympia nur U-23-Mannschaften antreten, die lediglich mit drei Spielern, die älter als 23 Jahre sind, verstärkt werden dürfen.

Während Spanien schwächelte, schoss sich Brasilien durchs Turnier und erzielte in jedem Spiel drei Tore. Neben Leandro Damiao, dem führenden der Torschützenliste, traf Neymar mit drei Toren am häufigsten. Die Mannschaft von Trainer Mano Menezes siegte bisher immer. Ähnlich souverän trat nur Mexiko auf, das außer einem Unentschieden zum Auftakt gegen Südkorea ebenfalls alle Spiele gewann.

Zwei Jahre vor der WM im eigenen Land sehnt Brasilien den ersten Olympiasieg herbei. Noch nie konnte man die Goldmedaille gewinnen, bisher waren zwei zweite Plätze 1984 und 1988 der größte Erfolg. Und dass bei den vergangenen Olympischen Spiele in Peking und Athen der Erzrivale Argentinien Gold gewann, kratzte ebenfalls am Selbstvertrauen der Brasilianer.

Ein Sieg fehlt Leandro Damiao und seinen Mitspielern noch, um selbst zu triumphieren. Ein Sieg, der den Mythos Brasilien wieder erstrahlen lassen würde.

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