Fußball : Finkes Abrechnung in Freiburg

Die Verabschiedung von Trainer Volker Finke beim SC Freiburg geriet zur Posse. Nun muss auch Finke-Intimus und Manager Andreas Bornemann um seinen Posten bangen.

Freiburg - Volker Finke hatte am Sonntag nach dem verpassten Aufstieg des Fußball-Zweitligisten bei seinem Abschied Präsident Achim Stocker brüskiert. Als dieser ihm am Mittelkreis einen Blumenstrauß geben wollte, stemmte Finke demonstrativ die Arme in die Hüfte und sprach dann wild gestikulierend auf ihn ein. Danach setzte es über das Stadionmikrofon heftige Kritik an der Vereinsführung.

"Der Vorstand hat uns 14 Jahre lang den Rücken freigehalten", sagte Finke zu seinen 16 Trainer-Jahren in Freiburg mit verstecktem Sarkasmus und beklagte das Vorgehen des Präsidiums, das ihm wie bereits im Dezember angekündigt zum Saisonende den Stuhl vor die Tür gesetzt hatte: "Wenn es unterschiedliche Vorstellungen gibt, sollte man sich das ehrlich ins Gesicht sagen." Zusammen mit etwa 250 Weggefährten, Freunden und früheren Spielern wie Jens Todt feierte er am Abend dann bei Spargel-Spezialitäten und einem kunterbunten Kulturprogramm in der Reithalle Ebnet - ohne Stocker und die anderen Präsidiumsmitglieder.

"Mit Andreas Bornemann gibt's ein Problem"

Nach dem Scherbengericht muss sich die Vereinsführung nun an die Aufräumarbeiten machen. Dringendste Personalie ist die des Managers. "Mit Andreas Bornemann gibt's ein Problem, das muss gelöst werden. Bornemann will nicht mit Dutt und Dutt will nicht mit Bornemann", sagte Stocker und räumte ein, dass es zwischen Bornemann und dem Finke-Nachfolger Robin Dutt (derzeit noch Stuttgarter Kickers) Differenzen gebe.

Das Präsidium plant nun, einen Sportdirektor einzusetzen. Nach Angaben des Fachmagazins "Kicker" ist dafür Dirk Duffner, der von 2000 bis 2004 Manager beim TSV 1860 München war, im Gespräch. Bornemann gilt ebenso wie Co-Trainer Achim Sarstedt (künftig Assistent von Ralf Rangnick bei der TSG Hoffenheim) als Finke-Vertrauter. Bornemann selbst wollte sich nicht groß zu seiner Zukunft äußern, die vielleicht auch in einer anderen Funktion beim Sportclub liegt. "Wir werden sehen, wie es mit mir weitergeht. Das wird nächste Woche besprochen", sagte er. Für Mittwoch hat der Verein jedenfalls eine Pressekonferenz angekündigt.

Präsident Stocker: Mannschaft bricht nicht auseinander

Von einem großen Stühlerücken bei den Spielern wollte Stocker nichts wissen. "Ich wüsste nicht, dass die Mannschaft auseinander bricht. Mit ein paar Ausnahmen haben alle Verträge." Fest stehen die Abgänge von Roda Antar (1. FC Köln), Boubacar Diarra (1. FC Kaiserslautern) und Alexander Iaschwili (Ziel unbekannt). Als erster Neuzugang wurde der kroatische Mittelfeldspieler Ivica Banovic vom 1. FC Nürnberg verpflichtet.

Für den neuen Coach Dutt ist der 26. Juni Arbeitsbeginn in Freiburg. Finke wird das Feld und sein Büro neben dem Badenova-Stadion so schnell nicht räumen. Es werde noch etwa eineinhalb Wochen dauern, so ließ er wissen, "um die Aufgaben professionell abzuarbeiten". Seinen Wohnsitz wird Finke zumindest vorläufig in Freiburg behalten. Er wolle jetzt erst einmal Abstand gewinnen. Projektarbeit würde ihn grundsätzlich interessieren, vielleicht mal mit einer Auswahlmannschaft. "Ich will aber nicht irgendein Budget abarbeiten", erklärte der 59-Jährige: "Ich begreife das jetzt als Chance für mich, die Jahreszeiten zu erleben, ohne einen Bundesliga-Spielplan." (Von Ulrike John und Uwe Rogowski, dpa)

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