Sport : Fußball-Gen: Elementarbällchen (Glosse)

Christine Lemke-Matwey

Genug, Genug. Keine Peitschenhiebe mehr auf die heiligen Fußsohlen deutscher Nation. Und die Asche aus dem Haupthaar gefönt. Denn, psst, bald sind wir wieder wer. Vergessen dann die schwülen Tage, als unsere Jungens das Siegen verlernten; vorbei die bangen Wochen, da alle Bundestraineranwärterscheinbesitzer ihre Bundestraineranwärterscheine vergruben oder aufaßen; und vergeben auch die zähen Stunden im ZDF, da Männer vor Männern mit Männern über Männer redeten (Netzer in der ARD war wenigstens nur einer). Nein, nicht was Sie denken, von wegen die Frau als solche und so, obwohl breite Hüften, was wir uns gemerkt haben, zum Elfmeterschießen prädestinieren, und die Engländer in London-Westminster gerade das Urinierbecken für die weibliche Anatomie erproben. Apropos Anatomie: Bei der Entschlüsselung des menschlichen Erbguts wurde auch das Fußball-Gen restfrei identifiziert. Bislang kennen nur die Amerikaner (die Fußball gern mit football verwechseln) sein genaues Alphabet, außerdem die Engländer (siehe oben) und der DFB. Alle anderen spielen entweder noch bei der EM mit oder haben wirkliche Probleme. Dabei ist es keineswegs so, dass das Gen, wie bislang angenommen, bei den Holländern nach Gouda riecht, bei den Portugiesen lustige Stirnbänder trägt und bei den Deutschen schwarzweiß gefleckt ist (wie das zu tretende Leder, was die lange Erfolgsstrecke seit Seppl Herberger erklären würde). "Das Konzept Rasse hat keine wissenschaftliche oder genetische Basis", frohlockten eben noch die Celera-People. Da ereilt uns aus deutschen Labors eine niederschmetternde Botschaft. Das deutsche Gen (sprich Gähn), fettig und eckig, hänge grunzend in den Seilen, die Reste gebratener Tauben wahllos um sich verstreut. Es sei mit sofortiger Wirkung isoliert und verhauen worden. Egidius Braun und Maren Müller-Wohlfahrt wurden als sein Basengroßelternpaar entziffert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben