Fußball : Hanke sagt danke

Unter Marketingaspekten ist ärgerlich, dass die Bayern schon vier Tage vor Saisonende de facto als Deutscher Meister feststehen. Stefan Hermanns über den Gnadenakt der Deutschen Fußball-Liga.

Stefan Hermanns

Man wird dem FC Bayern München nur schwerlich vorwerfen können, dass er mehr an sein eigenes Wohl denkt als an die Allgemeinheit. Trotzdem ist es unter Marketingaspekten natürlich ziemlich ärgerlich, dass die Bayern schon vier Tage vor Saisonende de facto als Deutscher Meister feststehen. Die Bundesliga als Premiumprodukt der DFL büßt dadurch erheblich an Attraktivität ein, zumal es der breiten Masse relativ egal ist, ob am Ende Duisburg oder Bielefeld, Rostock oder Cottbus absteigt.

Im deutschen Fußball gibt es derzeit nur noch eine spannende Frage: Wer fährt als fünfter Stürmer der Nationalmannschaft mit zur Europameisterschaft? Vier Kandidaten bewerben sich um den letzten freien Platz, und der DFL ist es in ihrer grenzenlosen Weitsicht zu verdanken, dass dieser Wettbewerb weiter spannend bleibt. In einer Art Gnadenakt hat sie gestern entschieden, Mike Hanke Hannovers erstes Tor beim 2:2 gegen Hertha BSC gutzuschreiben. Der eigentliche und offensichtliche Schütze war der Berliner Verteidiger Steve von Bergen gewesen.

Nachdem die Konkurrenten Patrick Helmes und Oliver Neuville (auch Stefan Kießling will zur EM) am Wochenende getroffen haben, braucht Hanke mehr denn je jedes Tor, um seine EM- Chance zu wahren. Ein einziges hat er zuvor in der Rückrunde erzielt, ein weiteres reklamierte er mit großem Eifer für sich – vergebens. So viel Einsatz ehrt Hanke, aber wahrscheinlich werden Tore ohnehin überschätzt. Carsten Jancker hat es 2002 geschafft, ganz ohne Tor durch die Saison zu kommen. In den WM-Kader wurde er trotzdem aufgenommen.

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