Fußball in Zehlendorf : Hertha 03: Zwischen Spaß und Leistung

Unser Praktikant spielt seit der D-Jugend bei Hertha Zehlendorf. Er beschreibt seine Erfahrungen – und den großen Druck, den es schon im Nachwuchsfußball gibt.

Paul Große-Leege
Die 3. B-Jugend von Hertha Zehlendorf im Spiel gegen den SV Pfefferwerk. Foto: Privat
Die 3. B-Jugend von Hertha Zehlendorf im Spiel gegen den SV Pfefferwerk.Foto: Privat

Bekannt als Nachwuchsverein aus dem tiefen Süd-Westen Berlins hat Hertha 03 in der Vergangenheit Talente wie die Kovac-Brüder, Pierre Littbarski, den Weltmeister von 1990, und zuletzt auch den Innenverteidiger der heutigen Nationalmannschaft Antonio Rüdiger hervorgebracht, für den sich inzwischen auch internationale Top-Klubs interessieren.

„Wenn ihr mal ernsthaft Fußball spielen wollt, dann solltet ihr zu Hertha 03 gehen“ – wird einem gesagt, wenn man mit zehn oder elf noch bei einem kleineren Verein spielt, mit Trainern, die eher Sozialpädagogen als wirkliche Fußballer sind. So war es bei uns zumindest. Nicht, dass wir schlecht gespielt hätten. Im Gegenteil, wir haben viele Spiele gewonnen und standen in der Tabelle immer weit oben. Doch Hertha 03 war etwas anderes, zu Hertha 03 ging man halt, wenn man mal richtig gut spielen will – und welcher Junge träumt nicht davon, einmal Fußballprofi zu werden?

So wechselten mein Zwillingsbruder und ich vor fünf Jahren in die Mannschaft unseres Freundes bei Hertha 03. Es war zwar die unterste Mannschaft der D-Junioren, doch es war Hertha 03! Und schon bald bekamen wir mit, wie die ersten aus unserer Mannschaft zu der höheren Mannschaften wechselten und auch Jungs aus den oberen Mannschaften z.B. von RB Leipzig und von Hertha BSC abgeworben wurden. Es wurde klar, es geht nicht mehr nur um Spaß. Ich war damals noch Torwart und mein Bruder war Stürmer. Ich war nicht schlecht auf meiner Position, doch für unseren Trainer war klar, ich würde trotz unseres Mangels an Torhütern auf dem Feld spielen, weil es für die Mannschaft besser war.

Paul Große-Leege spielt bei Hertha im defensiven Mittelfeld und trägt hier die Trikotnummer 2. Foto: Privat
Paul Große-Leege spielt bei Hertha im defensiven Mittelfeld und trägt hier die Trikotnummer 2.Foto: Privat

Das ist die Mentalität: der Trainer weiß, was das Beste für die Mannschaft ist und wenn er denkt du hilfst der Mannschaft am besten als Rechtsverteidiger, dann spielst du den Rechtsverteidiger so gut, wie du kannst, für die Mannschaft. Das Training war anspruchsvoll und wir lernten schon von Beginn an Taktiken und bestimmte Spielzüge, mit denen wir den anderen Mannschaften weit voraus waren, bei denen teilweise bis zum heutigen Zeitpunkt kaum Taktik zu erkennen ist. Zu Beginn war es oft schwer, sich gegen andere Mannschaften durchzusetzen, da es innerhalb der Altersklassen Alters- und somit auch körperliche Unterschiede gab. Trotz der häufigen körperlichen Überlegenheit der anderen Mannschaften, weil sie ältere Spieler hatten, bewährten sich die Taktiken und die spielerische Qualität unsererseits fortwährend.

Einigen Spielern war der Druck zu groß

 Ich war immer ein ambitionierter Spieler und häufig in der Startaufstellung auf den verschiedensten Positionen und habe wie vorgesehen mein Bestes gegeben, auch wenn nicht immer alles geklappt hat. Denn wenn etwas mal nicht klappt, dann heißt es „Es gibt keine Ausreden!“ und „Du musst es machen!“. Aber zufrieden sollte man sich nie geben, denn besser geht es immer. Auch die Besseren in der Mannschaft wurden davon nicht verschont. Selbst wenn man ein Spiel gewinnt, was als Leistungsindikator reichen sollte, könnte man denken, gab es doch immer etwas, was man hätte besser machen können.

Auch diese Denkweise bestimmte maßgeblich die bis heute andauernde Spielzeit. Einige Spieler wollten den Druck nicht, hatten keine Lust mehr oder waren nicht mehr gut genug und sind deshalb im Laufe der Zeit ausgestiegen. Mit einigen von den Jungs, die ausgetreten sind oder rausgeworfen wurden, war ich gut befreundet und die Beziehung zu ihnen ist dadurch etwas in die Brüche gegangen, was ich sehr schade finde. Einige der noch aktiven Spieler verlieren auch mit der Zeit die Lust, weil sie den sehr Druck negativ empfinden.

 In der vergangenen Saison spielten wir in einer der mittleren Mannschaften der B-Junioren und haben die Saison erfolgreich mit dem zweiten Platz beendet. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der Druck auf einzelne Spieler teilweise sehr hoch war, insbesondere, wenn die Mannschaft durch neue Spieler verstärkt wurde. Auch wenn in Zukunft die Spielklasse höher und die Gegner stärker sind, wird sich das mit großer Wahrscheinlichkeit fortsetzen und es wird immer schwerer sich nicht nur im Training, sondern auch im Spiel zu beweisen.

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