Fußball in Zeiten der Krise : Wie zwei Krimklubs in Russland spielen wollen

Die beiden Fußballteams von der Krim würden gerne in Russland spielen – aber dürfen sie auch? Der ukrainische Verband will das nicht zulassen.

Daria Meschtscheriakowa
Wer wird hier künftig zu Gast sein? In Sewastopols Stadion könnten sowohl russische als auch ukrainische Mannschaften spielen.
Wer wird hier künftig zu Gast sein? In Sewastopols Stadion könnten sowohl russische als auch ukrainische Mannschaften spielen.Foto: AFP

Gleich zwei Mannschaften auf der Krim haben Probleme mit der Zukunft. Der Klub Tawrija aus Simferopol und der FC Sewastopol haben sich entschieden, die ukrainische Meisterschaft zu Ende spielen – aber was kommt dann?

Die politischen Umwälzungen haben jedenfalls auch den Sport erreicht. Das Referendum, das den Wechsel der Krim von der Ukraine nach Russland zur Folge hat, betrifft auch die örtlichen Sportvereine. Sewastopol ist derzeit sehr begeistert davon, künftig in Russland zu spielen, Tawrija, der erste Meister der unabhängigen Ukraine, hat auch nichts dagegen. Aber es gibt ein Problem. Zuerst muss der ukrainische Fußball-Verband (FFU) und anschließend der europäische Verband Uefa sowie der Weltverband Fifa zustimmen. „Wir werden niemals zulassen, dass die Klubs der Krim an der russischen Meisterschaft teilnehmen“, teilt die FFU mit. Wenn der ukrainische Verband sich damit durchsetzen sollte, müssten die beiden Klubs entweder weiter in der Ukraine spielen oder in einer eigenen Krim-Meisterschaft. Transnistrien, Abchasien, Südossetien, Berg-Karabach haben dasselbe Problem und bis jetzt keine Erlaubnis von der Fifa für internationale Spiele. Nur Kosovo darf Freundschaftsspiele bestreiten.

Mittlerweile ist Russland bereit, alle Klubs der Krim aufzunehmen. „Sobald die Krim festes Mitglied von Russland ist, sind alle Profi- und Amateurteams berechtigt, an allen unseren Wettbewerben teilzunehmen“, erklärt der russische Fußball-Verband.

Tawrija und Sewastopol könnten dann jedoch wirtschaftliche Probleme bekommen. Sewastopols Klubpräsident Aleksander Krasilnikow jedenfalls befürchtet finanzielle Verluste. Denn Vereinseigentümer Wadim Nowinskiy kommt zwar aus Russland, engagiert sich aber vor allem aus geschäftlichen Gründen in Sewastopol und hat auch deshalb einen ukrainischen Pass. Falls der Klub nach Russland wechselt, könnte er auch auf ihn verzichten. Tawrijas Hauptsponsor Dimitro Firtasch war vor ein paar Wochen in Wien festgenommen worden, durfte dann aber gegen 125 Millionen Euro Kaution das Gefängnis wieder verlassen. Der Klub rechnet jedoch weiter mit seinem Geld.

Gleichzeitig haben die beiden Klubs kein Heimspiel nach der Winterpause ausgetragen, weil es wegen der politischen Umstände zu heikel war. Die ukrainische Premierliga kam ihnen entgegen und gestand ihnen zu, die Heimspiele zu verschieben. Jetzt wäre es an der Zeit, doch der Luftraum über der Krim ist noch für Flugzeuge aus der Ukraine geschlossen. Zudem bräuchten einige ausländische Profis der beiden ukrainischen Klubs FK Worskla Poltawa und FK Dnepr Dnepropetrowsk russische Visa. „Welch ein Unsinn? Wir spielen in der Ukraine und kriegen ein russisches Visum“, sagte der Albaner Armend Dallku vom FK Worskla, der an diesem Freitag gegen  Sewastopol spielen wird. „Unser Verein hat das Problem schnell gelöst.“ Worskla fährt von Poltawa auf die Halbinsel mit dem Zug: etwa 14 Stunden, mehr als 700 Kilometer. „Der Bus ist schneller, aber im Zug ist es sicherer an der Grenze“, sagte Dallku.

Beim FK Dnepr ist man anderer Meinung: „Wir fahren mit dem Bus. Wir brauchen acht Visa, und dafür sorgt Tawrija. Wenn es nicht an der Grenze klappt, werden wir die Premierliga bitten, das Spiel zu verschieben. Von uns hängt es nicht ab“, ließ der Klub ausrichten.

Beide Klubs stehen also vor spannenden Reisen. „Wovor soll ich in meinem Land Angst haben? Für mich ist die Krim noch Ukraine. Kidnapping auf der Krim? Na ja, dann werden wir Jewgen Konopljanka schützen“, sagt Spieler Artem Fedetzki vom FK Dnepr über seinen teuersten Mitspieler. Der ukrainische Fußball erlebt wirklich schwierige Zeiten. Vor einem Jahr ging der FK Krywbass pleite, vorigen Oktober meldete Arsenal Kiew Insolvenz an. Dazu verschwand der Präsident von Metalist Charkiw, der Oligarch Sergei Kurtschenko. Und jetzt auch noch das Problem um die Teams der Krim. Wie es mit ihnen weitergeht, wird sich erst nach der Meisterschaft entscheiden.

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