Sport : Fußball international: Die Kirsche vom Sahnehäubchen

Frank Kohl

Frage: Wie heißt das südamerikanische Gegenstück zu einer Paarung Deutschland - England? Einfache und klare Antwort: Argentinien gegen Brasilien. Zwei verfeindete Fußballnationen und unerbittliche Konkurrenten, die um die Vorherrschaft auf ihrem Kontinent kämpfen. Hier geht es in jedem Spiel um mehr als um Tore und Punkte. Am Mittwoch ist es wieder soweit. In der Südamerika-Gruppe der WM-Qualifikation treffen beide in Buenos Aires aufeinander: Rivaldo gegen Ayala, Crespo gegen Lúcio, Tango gegen Samba.

Gemeinsam ist beiden Ländern, dass der Volkssport Nummer eins im eigenen Lande von korrupten Funktionären regiert wird und die meisten Vereine am Rande des Ruins balancieren. Ihre besten Fußballer spielen hauptsächlich in Europa. Das lässt sich leicht daran belegen, dass Argentinien (18) und Brasilien (13) insgesamt 31 Profis aus Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien einfliegen ließen, um als Sieger vom Platz zu gehen. Doch da enden auch schon die Gemeinsamkeiten.

Die Ausgangssituation für beide Teams könnte unterschiedlicher kaum sein: Die Argentinier sind als Tabellenführer vier Runden vor Schluss bereits für die WM 2002 qualifiziert. Brasilien dagegen muss noch um sein WM-Ticket kämpfen. Der Rekordweltmeister liegt nach zum Teil miserablen Vorstellungen in der Qualifikation mit 24 Punkten nur auf dem vierten Platz, der gerade noch zur Direktteilnahme berechtigt. Die Brasilianer haben in den bisherigen 14 Spielen mehr als 70 Spieler und drei Trainer verheizt. Nach Wanderley Luxemburgo und Emerson Leao versucht sich nun Luiz Felipe Scolari an der undankbaren Aufgabe des Nationaltrainers. Weder ihm noch seinen Vorgängern ist es seit Beginn der Qualifikation vor zwei Jahren gelungen, aus den Individualkünstlern ein Kollektiv zu formen.

Das sieht bei den Argentiniern ganz anders aus. Unter dem unumstrittenen Trainer Marcelo Bielsa kamen in der WM-Qualifikation erst 26 Spieler zum Einsatz. Kontinuität und Harmonie sind auch für Carlos Billardo, den Weltmeistertrainer von 1986 das Geheimnis des Erfolges: "Zurzeit ist Argentinien in Südamerika unüberwindlich und gehört zu den besten Mannschaften der Welt."

Nur eine Niederlage schmälert die Erfolgsserie - ausgerechnet gegen Brasilien, bei 1:3 im Hinspiel von Sao Paulo. Dafür fordern die Argentinier jetzt Revanche. "Ein Sieg gegen Brasilien, das ist, wie die Kirsche vom Sahnehäubchen des Desserts zu naschen", tönte Stürmerstar Hernan Crespo, der in der WM-Qualifikation schon neun Tore geschossen hat. Die Brasilianer bemühen sich um Ruhe. "Bei einem Spiel Argentinien - Brasilien gibt es keinen Favoriten", sagt Spielmacher Rivaldo. Auch der kleine Roberto Carlos, ansonsten ein Freund großer Worte, gibt sich zurückhaltend: "Wir werden unsere Antwort auf dem Platz geben."

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