Fußball international : Nationalspieler auf der Bank

Sie suchen sich große Vereine in Spanien oder England. Doch ihre Rollen sind dort meistens bescheidener als in der Bundesliga: Deutsche Fußballprofis im Ausland haben es schwer.

Mathias Klappenbach
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Christoph Metzelder kommt bei Real Madrid noch nicht richtig zum Zug. -Foto: AFP

BerlinJetzt auch noch ein Sieg in England mit einer ersatzgeschwächten Mannschaft. Die deutsche Nationalelf hat wieder einen sehr guten Namen in der Fußballwelt. Als Mannschaft. Doch wie ist es eigentlich um den Ruf der deutschen Spieler in anderen Ländern bestellt? Es wurde als ein gutes Zeichen für den deutschen Fußball angesehen, als Real Madrid im Juli Christoph Metzelder als Neuzugang präsentierte. „Deutsche Spieler sind wieder interessant fürs Ausland geworden“, sagte Matthias Sammer, der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes. Für Sammer und Bundestrainer Joachim Löw ist auch dieser Wechsel Ausdruck der gestiegenen Qualität in der Nationalmannschaft.

Doch von Zeiten wie etwa 1990, als sieben deutsche Spieler in der italienischen Serie A spielten und eine wesentliche Rolle beim Gewinn des Weltmeistertitels in Italien spielten, ist der deutsche Fußball derzeit weit entfernt. Zwar haben in Metzelder, Jens Lehmann (FC Arsenal), Michael Ballack (FC Chelsea), Timo Hildebrand (FC Valencia), David Odonkor (Betis Sevilla) und Robert Huth (FC Middlesbrough) sechs Nationalspieler einen Vertrag in England oder Spanien. Ihre Rollen bei ihren Klubs sind jedoch wesentlich bescheidenere als sie 1990 Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann und Andreas Brehme bei Inter Mailand, Thomas Häßler bei Juventus Turin oder Thomas Berthold und Karlheinz Riedle bei AS und Lazio Rom gespielt haben.

Der Star des deutschen Fußballs, Michael Ballack, spielt immerhin beim FC Chelsea. Er hatte ein schwieriges erstes Jahr in England, aber einen Stammplatz. Wenn er nicht verletzt war. Das ist er jetzt wieder, und es sieht derzeit so aus, als ob es danach noch schwieriger für ihn sein wird, sich einen Platz zu erkämpfen. Ein Problem, das auch andere haben. Wie etwa Metzelder, der von den vier Innenverteidigern bei Real wohl nicht zu den beiden zählt, die der deutsche Trainer Bernd Schuster am liebsten aufstellen wird. Gestern abend saß er beim Anpfiff auf der Bank. Dort also, wo in Valencia Torhüter Timo Hildebrand ein Stammplatz droht. Zwar hat Joachim Löw Äußerungen, dass Hildebrand dann um seinen Platz in der Nationalelf bangen müsse, relativiert, um seinem zweiten Torwart den Rücken zu stärken.

In diesem Zusammenhang könnte die Aussage von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, nach der ein Wechsel ins Ausland sowohl in sportlicher Hinsicht als auch für die Persönlichkeitsentwicklung wichtig ist, noch eine ganz andere Bedeutung bekommen. Und Hildebrand ist nicht der Einzige, der mit dem Versuch, im Ausland seine Karriere voranzubringen, eher das Gegenteil erreichen könnte. Andreas Hinkel hat beim FC Sevilla in der vergangenen Saison die Distanz zur Nationalelf eher vergrößert als verringert.

Andere wie Odonkor und Huth waren lange verletzt, aber auch dann keine unumstrittenen Stammspieler, als sie fit waren. Odonkor war gegen England am vergangenen Mittwoch nur deshalb dabei, weil so viele andere fehlten. Und wenn er wieder fit ist, muss auch Jens Lehmann bessere Leistungen als in den beiden Saisonspielen bringen, in denen ihm jeweils ein schwerer Patzer unterlief.

Tragende Rollen haben eher deutsche Spieler in international nicht so hochklassigen Ligen inne. Knapp 50 deutsche Profis spielen im Ausland, überzeugen konnten in der Vorsaison neben Lehmann beim FC Arsenal der Routinier Thomas Linke bei Red Bull Salzburg oder Simon Cziommer in Alkmaar und Steffen Hofmann bei Rapid Wien. Für die Nationalmannschaft sind sie natürlich keine Kandidaten. Joachim Löw wird wohl eine Mannschaft aus Bundesligaspielern und Auslandsprofis zusammenstellen, die bei ihren Klubs ständig um ihren Platz und ihre Rolle kämpfen müssen.

Einen ähnlichen Vorteil, wie ihn die Deutschen 1990 in Italien mit ihren sogenannten Legionären hatten, wird es bei der Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz nicht geben. Obwohl in Österreich der Deutsche mit der höchsten persönlichen Ehrung der vergangenen Saison spielt. Der ehemalige Nationalstürmer Alexander Zickler von Red Bull Salzburg ist Österreichs „Fußballer des Jahres“.

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