Sport : Fußball ist keine Musik

Lars Spannagel kann auf Nationalhymnen verzichten

Lars Spannagel

Vor wenigen Wochen erklang die Melodie des „Star-Spangled banner“ in Pjöngjang. Die New Yorker Philharmoniker waren in Nordkorea zu Gast, sie durften sogar die Hymne der vom nordkoreanischen Regime gehassten USA aufführen. Bei der Nationalhymne Südkoreas war Nordkorea weniger tolerant: Weil sich Pjöngjang weigerte, die Hymne des verfeindeten Bruderstaates abzuspielen und dessen Flagge zu hissen, müssen Nordkoreas und Südkoreas Fußball-Nationalmannschaften heute in Schanghai gegeneinander antreten, in Pjöngjang dürfen sie nicht. Wo sich die Musik zuweilen von der Politik lösen kann, bleibt der Sport wohl auf alle Zeit ihr Spielball. Nicht nur bei Olympia, nicht nur in Peking.

Zum ersten Mal seit 15 Jahren hatte die Auslosung der Qualifikation für die Fußball-WM 2010 die beiden verfeindeten Bruderstaaten aufeinandertreffen lassen, als Spielort war die nordkoreanische Hauptstadt vorgesehen. Statt der südkoreanischen Hymne sollte aber erst ein Volkslied erklingen, das in beiden Teilen der Halbinsel populär ist. Die Fifa vermittelte, Schanghai sprang als Austragungsort ein, hier erklingen nun die Hymnen.

Ein Erfolg bei der Annäherung auf der koreanischen Halbinsel? Eher nicht. Nur die Auslosung brachte beide Staaten auf dem Rasen zusammen, freiwillig würden sie nicht gegeneinander spielen. Bei diesem Misstrauen ist es kaum zu glauben, dass Nord- und Südkorea darüber nachdenken, eine gemeinsame Delegation zu den Olympischen Spielen nach Peking zu schicken. Vielleicht sollte man dabei ganz auf Flaggen und Hymnen verzichten.

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