Sport : Fußball Junioren-WM: Wertsteigerung um das 30-fache

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der "Unter 20-Jährigen" ist längst erstklassig, zumindest in Sachen Transfersummen. Den Beweis für ihre Güte auf dem Rasen wollen die Junioren bei der Weltmeisterschaft in Argentinien ja erst noch liefern. Irak hieß am Samstagabend der letzte Vorrundengegner der deutschen Elf von Trainer Uli Stielike (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe war das Spiel noch nicht beendet). Aber ob die Mannschaft nun weiterkommt oder nicht - egal: Die deutsche U20 bringt es auf einen aktuellen Marktwert von geschätzt rund 14 Millionen Mark.

Michael Zepek ist dabei der wertvollste deutsche Spieler. Seinen Wechsel vom Zweitliga-Aufsteiger Karlsruher SC zu Bayer Leverkusen ließ sich der Konzern angeblich 3,5 Millionen Mark kosten. Auch Zepeks Abwehrkollege Denis Lapaczinski ist ein finanzieller Volltreffer für seinen ehemaligen Klub SSV Reutlingen. Das Talent spielt in der kommenden Saison für Hertha BSC und brachte den Schwaben 2,5 Millionen Mark in die Kasse. Selbst Oberliga-Spieler Lars Jungnickel bringt Dynamo Dresden immerhin 600 000 Mark Ablöse vom Erstligisten Energie Cottbus ein.

Im Vergleich dazu hatte die Junioren-Nationalmannschaft von 1981 einen recht bescheidenen Wert. Der wurde seinerzeit mit nicht einmal 500 000 Mark taxiert. Die zu diesem Zeitpunkt schon Bundesliga erfahrenen Thomas Brunner (1. FC Nürnberg) oder Axel Brummer (1. FC Kaiserslautern) schraubten durch ihre Einsätze im Oberhaus die Summe in die Höhe.

Die beiden Dortmunder Michael Zorc und Kapitän Ralf Loose beispielsweise hatte der BVB kurz zuvor von TuS Eving-Lindenhorst und dem TSC Eintracht Dortmund verpflichtet. Die Senkrechtstarter kosteten die Schwarz-Gelben damals zusammen bescheidene 10 000 Mark. Torhüter Rüdiger Vollborn, der in Australien zu einem der Garanten für den WM-Gewinn avancierte, kam praktisch für ein Taschengeld von Blau-Weiß 90 Berlin ins Rheinland und feierte erst zwei Jahre nach dem WM-Gewinn sein Debüt im Oberhaus.

Auch Roland Wolfarth schaffte erst drei Jahre nach der WM mit 30 Treffern in der Zweiten Bundesliga für den MSV Duisburg den Durchbruch. Bayern München zahlte 800 000 Mark an die Duisburger, um den Stürmer an sich zu binden. 1981 hatte Wohlfarth nicht ein einziges Bundesligaspiel bestreiten dürfen.

Der Wert der deutschen "U 20" hat sich in den vergangenen 20 Jahren also schätzungsweise um das knapp 30-fache erhöht. Tendenz eindeutig steigend. Der Etat der Bundesligisten hat sich dagegen im Vergleichszeitraum um nicht einmal das Zehnfache gesteigert. 120 Millionen bedeuteten 1981 einen neuen Rekord. Vor Beginn der vergangenen Spielzeit durchbrach die Bundesliga erstmals die Milliarden-Schallmauer.

Uli Stielike, der Trainer der U20-Nationalmannschaft, weiß, was er an seiner Aufgabe hat. Er kündigte schon vor dem letzten Gruppenspiel in Cordoba gegen den Irak an, dass er seinen bis 2002 laufenden Vertrag beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) erfüllen will. Stielike: "Ich habe mich mit dem DFB geeinigt, dass ich bleibe." Eine entsprechende Vereinbarung sei mit Generalsekretär Horst R. Schmidt getroffen worden. Der Kontrakt gelte nun - wie ursprünglich festgelegt - bis 2002.

"Ich hatte dem DFB nach dessen Planungen mit Christoph Daum angeboten, dass ich mich zurückziehe", erklärte Stielike weiter. Nachdem Daum in Folge der "Kokain-Affäre" nicht Bundestrainer geworden war, sei es zu "Missverständnissen" gekommen.

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